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Auch Väter kriegen den Baby-Blues

Dienstag, 25.05.2010 von Alexandra

Nach der Entbindung sind viele Mütter entsetzt über sich selbst und die eigenen Gefühle. Wo bleibt die überwältigende Mutterliebe, wo ist das Glücksgefühl, das man in diesem Moment doch bekanntermaßen empfinden sollte?!

Automatisch kommen diese positiven Gefühle aber nicht bei allen Müttern. Viele frisch entbundene Frauen fallen erstmal in ein “Stimmungsloch”, leiden unter Stimmungsschwankungen oder depressionsähnlichen Zuständen. Früher hieß das Wochenbett-Depression, heute fast ein bisschen verniedlichend “Baby-Blues”. Mediziner fassen all diese Erscheinungen unter dem Begriff “postpartales Stimmungstief” zusammen.

Typische Symptome dieses Stimmungstiefs sind Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Traurigkeit und Weinen. Die Probleme werden durch die Hormonschwankungen nach der Geburt ausgelöst, ähnlich den depressiven Verstimmungen während des Monatszyklus und während der frühen Schwangerschaft. Aus diesem Stimmungstief kann eine echte Depression erwachsen, was aber nicht zwangsweise der Fall sein muss.

Die postpartale Depression, ihre Symptome und die Therapiemöglichkeiten sind gut erforscht. Weniger “interessant” war bisher die Frage, ob auch Männer Schwangerschaftsdepressionen entwickeln können. Dieser Thematik haben zwei US-amerikanische Wissenschaftler eine Meta-Analyse gewidmet, sie haben sich also zahlreiche andere Studien ausgewertet. Insgesamt verwendeten sie 34 Studien, die zusammengenommen fast 35.000 Teilnehmer hatten.

Sie konnten feststellen, dass 10,4% aller Männer direkt nach der Geburt ihres Kindes an Depressionen litten. Drei bis sechs Monate nach der Geburt war der Anteil der depressiven Väter mit 25,6% am höchsten. Dabei bestand auch ein Zusammenhang zwischen mütterlicher und väterlicher Depression; wenn also die Mutter an Depressionen leidet, ist die Gefahr auch für den Vater größer, den Baby-Blues zu bekommen.

Warum das so ist, kann Studienleiter Dr. James F. Paulson von der Eastern Virginia Medical School nicht genau sagen. Möglicherweise ist eine Depression eines Elternteils “ansteckend”, so dass der Partner nachzieht; möglicherweise liegt es an einem besonders “schwierigen” Kind.

Die zwei Forscher drängen nun darauf, nicht nur bei werdenden Müttern, sondern auch bei werdenden Vätern auf die ersten Anzeichen einer Depression zu achten. “Wir kennen die Gründe nicht, aber wir sollten mehr auf Depressionsanzeichen bei Vätern achten”, so Paulson. Vorbeugungsmaßnahmen während der Schwangerschaft sollten sinnvollerweise beide Partner einschließen.

Interessante Fußnote: In den USA ist das Depressionsrisiko für Väter als in anderen Ländern (14,1% in den USA; 8,2% in anderen Ländern). Paulson führt das auf kulturelle Unterschiede und auch auf großzügigere Elternzeitregelungen in den anderen Ländern zurück.


 

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