Werdende Mütter während der Schwangerschaft begleiten, ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer ungeborenen Kinder überwachen, die Eltern auf die Geburt vorbereiten, die Geburt leiten, die Frau im Wochenbett betreuen und beim Stillen unterstützen, das Wachstum des Kindes nach der Geburt überwachen – jeden Tag, rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Niemand wird behaupten, dass die Arbeit einer Hebamme immer einfach ist.
Allerdings ist die Lage der Hebammen angespannt: Nur die allerwenigsten sind noch fest bei Krankenhäusern angestellt und haben ein regelmäßiges Einkommen. Wer noch fest angestellt ist, muss im Zuge von Sparmaßnahmen immer um die Arbeitsstelle bangen. Für freiberufliche Hebammen gilt im Gegenzug: Um genug Geld zu verdienen, müssen sie so viele Schwangerschaften oder Geburten gleichzeitig betreuen, dass die individuelle Beziehung zu den Frauen, eigentlich der große Vorteil der Hebammentätigkeit, darunter zu leiden beginnt.
In manchen Kreißsälen soll der schleichend einsetzende Hebammenmangel auch zum Anstieg der Kaiserschnitte beitragen. Dabei sind es gerade die Hebammen, die den Frauen oft die Angst vor der vaginalen Geburt nehmen. Ein wichtiger Punkt, wird doch von allen Seiten die hohe Zahl der Kaiserschnitte beklagt!
Kurz und gut: Hebammen haben den Eindruck, dass ihre Arbeit nicht ausreichend geschätzt und auch entsprechend honoriert wird. Dabei ist eine Hebamme so wichtig für die Gesundheit von Schwangeren und Kindern. Gelohnt wird es ihnen höchstens in ideeller Weise, durch den Dank der Familien, denen sie geholfen haben. In barer Münze jedenfalls macht sich die Arbeit, zu der ohnehin schon viel Idealismus gehört, jedenfalls nicht: Nur sieben bis elf Euro netto verdienen Hebammen in Deutschland, erzählt die Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes, Ulrike von Haidenwang.
Mit den Gebühren, die die Krankenkassen den Hebammen bezahlen, können diese ihre Leistungen bald nicht mehr aufrechterhalten. Die in Aussicht gestellte Gebührenerhöhung um 1,54% nennt von Haidenwang denn auch “läppisch”, der deutsche Hebammenverband nennt das Angebot “beschämend”.
Deshalb haben Hebammen in ganz Deutschland gestern zu Streits und Protestaktionen wie in Karlsruhe, Berlin und Kassel aufgerufen und eine Anpassung der Gebühren um 30 Prozent gefordert. Die Bezahlung soll endlich der Verantwortung entsprechen, die Hebammen tragen – die aktuelle Bezahlung sei “unanständig niedrig”, hieß es beispielsweise bei einer Kundgebung im hessischen Korbach.
Sie wollen, dass ihre Tätigkeit auch von der Politik anerkannt wird, und dass die Parteien sich mehr für ihre Belange engagieren. Bisher allerdings fühlen sich die Hebammen von Parteien wie auch der Bundesregierung im Stich gelassen.





