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Impfstoff-Engpass wegen Schweinegrippe?

Montag, 08.02.2010 von Alexandra

Die deutschen Kinderärzte sind sauer. Wegen des aktuellen Engpasses bei Impfstoffen für Babys können sie eine große Anzahl von Säuglingen nicht impfen – und gerade Säuglinge sind anfällig gegen Infektionskrankheiten.

Direkt nach der Geburt sind Kinder in der Regel vor vielen Krankheiten geschützt. Das kommt daher, dass sie noch Antikörper der Mutter in sich tragen. Nach einigen Monaten ist dieser “Nestschutz” aber abgebaut, und das Immunsystem des Kindes muss die Aufgabe übernehmen.

Kinder werden deswegen schon so früh geimpft, damit sie, wenn der Nestschutz abgelaufen ist, besser vor Kinderkrankheiten geschützt sind. Wie aber sollen Kinderärzte Babys impfen, wenn sie nicht ausreichend Impfstoffe von den Herstellern bekommen?

Vor genau diesem Problem stehen die Kinderärzte aktuell. Es fehlen insgesamt sieben Impfstoffe, besonders besorgniserregend ist der Engpass aber bei dem Sechsfachimpfstoff, meint Kinderärztin Ursel Lindlbauer, die auch Mitglied bei der Ständigen Impfkommission ist, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mit diesem Impfstoff erhalten die Säuglinge ihre Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Polio, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und Hib (Haemophilus influenzae Typ B).  Für diesen Impfstoff gibt es keinen gleichwertigen Ersatz.

Auch der MMRV-Impfstoff zur Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken fehlt. Besonders ärgerlich: Die Ärzte wurden von dem Impfstoffmangel erst informiert, als der Hersteller nicht mehr liefern konnte. Die Ärzte können aber immerhin noch einzeln gegen die Krankheiten impfen.

Wie kann es aber dazu kommen, dass so wichtige Impfstoffe offensichtlich einfach nicht in ausreichender Menge hergestellt wurden? Vielerorts wird die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs dafür verantwortlich gemacht. Die Herstellungskapazitäten sollen davon angeblich so ausgelastet gewesen sein, dass die Produktion von “normalen” Impfstoffen einfach mal so ausgesetzt wurde.

GlaxoSmithKline, Hersteller sowohl des Sechsfach- und des Vierfachimpfstoffs und eines des Schweinegrippeimpfstoffs behauptet allerdings, dass die Lieferprobleme nur beim Vierfachimpfstoff durch die Schweinegrippe bedingt sind, und zwar wegen einer Verlagerung der Produktion. Beim Sechsfachimpfstoff liege es an einer “geänderten Qualitätsfreigabe” der Komponente, die gegen Hib wirksam ist.

Eine Sprecherin des Impfstoffherstellers meinte, man “bedauere die Situation”. Es könne jedoch noch bis in das zweite Quartal hinein zu Verzögerungen kommen. Sprich: Es kann noch gut bis in den Sommer hinein dauern, bis die Mehrfachimpfungen gegen die wichtigsten Kinderkrankheiten wieder wie gehabt verabreicht werden können.

Egal an was es jetzt liegt, es hätte dem Hersteller klar sein müssen, dass trotz der Schweinegrippe-Epidemie, die glücklicherweise nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen ist, die schon in den letzten Jahren durchgeführten Standardimpfungen nicht einfach verworfen werden. Ein echtes Armutszeugnis für GlaxoSmithKline.


 

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