Sie haben Kinder? Glückwunsch, dann wird es Ihnen garantiert nicht mehr langweilig! Das ist der auffallende Einleitungssatz auf der Rückseite des Buches – und der Inhalt beweist diese Theorie nur.
Unter der Unmenge der aktuellen Erziehungsratgeber – mehr Erziehung! Weniger Erziehung! Mehr Disziplin! Weniger Disziplin! – sticht “Viel Spaß beim Erziehen!” schon deshalb hervor, weil es fast wie ein Roman geschrieben ist.
Erziehungspapst Ben Benningsen
Die Hauptfigur ist der Erziehungsprofi Ben Benningsen. Er ist Autor mehrerer höchst erfolgreicher Erziehungsratgeber. Leider kennt er das Thema nur aus der Theorie, denn er selbst hat keine Kinder. Damit er aber nicht unglaubwürdig ist, verpasst ihm sein Verlag kurzerhand eine erfundene Ehefrau samt erfundenen Kindern.
Alles läuft gut, bis Ben im Auftrag seines Verlags den Erziehungsoscar vergeben soll. Dafür besucht er mehrere Familien und sieht sich an, wie es da mit der Erziehung aussieht. Solchermaßen mitten in das echte Leben geworfen, erkennt Ben, wie weit Theorie und Realität manchmal auseinanderklaffen. Er gewinnt aber auch neue Erkenntnisse.
Geschichten aus dem Alltag
In jedem Kapitel besucht Benningsen eine andere Familie und wird dabei mit anderen Problemen konfrontiert. Da gibt es den schwelenden Streit zwischen Großeltern, eine gestresste Alleinerziehende, die zwanghaft perfektionistische Schwangere, das entspannte Ehepaar mit der Tochter, die den Aufstand probt oder die Mutter, die es mit der Förderung fast ein bisschen übertreibt.
Jede einzelne Situation ist dabei voll aus dem Leben gegriffen, ob nun der kleine Sohn einen Aufstand im Supermarkt macht, die Geschwister sich streiten oder die Tochter im Kindergarten Legosteine einsteckt. Alles ist realitätsnah, so dass sich der Leser unweigerlich überlegt, wie er bzw. sie in diesem Fall reagiert hätte.
Es gibt keine Regeln
Jedes überstandene Abenteuer von Ben wird mit ein paar Stichpunkten zusammengefasst. Dabei sind eher unkonventionelle Tipps und Weisheiten, wie beispielsweise “Egal was passiert, das Leben geht weiter”, “Kinder spielen mit unserem Entsetzen”, “Die perfekte Erziehung gibt es nicht”, “Man kann Geschwisterkinder wohl nicht gleich behandeln, man muss jedem gerecht werden!”. Ben Benningsen liefert auch gleich selbst ein Fazit seiner Erfahrungen: “Wenn du Abenteuer suchst, die du nur mit Anarchie und Chaos glücklich überstehen kannst, dann schaff dir Kinder an!”
Insgesamt ist das Buch ein Plädoyer für eine entspanntere Erziehung, dafür dass Eltern ihre Kinder als Persönlichkeiten sehen, aber auch ihren eigenen Charakter nicht verleugnen, und insgesamt ein Aufruf für weniger zwanghaften Perfektionismus. Dabei ist es witzig genug geschrieben, um auch für Kinderlose interessant zu sein.
Ach ja, und die Liebe findet der alleinstehende Erziehungsprofi natürlich auch!
Viel Spaß beim Erziehen! von Jan-Uwe Rogge und Angelika Bartram ist erschienen bei Gräfe und Unzer.
ISBN 978-3-8338-1276-7, € 16,90 (D), fester Einband, 224 Seiten
Das Buch kann direkt im GU-Shop gekauft werden.





