Eltern unterstützen die Sprachentwicklung ihrer Babys, wenn sie beim Sprechen viel gestikulieren. Das ergab eine Studie von Susan Goldin-Meadow und Meredith Rowe, zwei Psychologinnen der University of Chicago.
Goldin-Meadow und Rowe haben die Kommunikation in 50 Familien untersucht. Sie beobachteten, wie sich 14 Monate alte Kleinkinder mit ihren Eltern verständigten. Gezählt wurden dabei die Gesten, denen die Kinder eine Bedeutung beimaßen, bzw. Gesten, die mit einem bestimmten Begriff verknüpft wurde, wenn also die Kinder beispielsweise auf das Bild eines Hund deuteten, wenn es im einer vorgelesenen Geschichte um einen Hund ging. Im Alter von 34 Monaten wurde die Untersuchung wiederholt.
Es stellte sich heraus, dass Kinder von Eltern mit einem höheren Schulabschluss und höherem Einkommen deutlich mehr Begriffe und Gesten verbinden konnten als Kinder von Eltern mit niedrigerem Schulabschluss und geringerem Einkommen. Die Kinder aus der ersten Gruppe kannten 24 Gesten, die Kinder aus der zweiten Gruppe nur 13.
Bei einer weiteren Untersuchung der Kinder, im Alter von 42 Monaten, verwendeten die Kinder der reicheren Eltern, die bei den ersten Untersuchungen viel Gesten verwendet hatten, in Tests 117 Wörter, die anderen Kinder, die weniger gestikulierten, nur 93. Dabei war nicht neu, dass die Kinder von besser gebildeten und wohlhabenderen Eltern einen größeren Wortschatz haben. Bisher gingen Forscher davon aus, dass diese Eltern mehr und vielfältiger mit den Babys sprechen. Die Studie von Goldin-Meadow und Rowe zeigt, dass wohl auch Gesten eine Rolle bei der Sprachentwicklung der Kinder spielt.
Die zwei Psychologinnen mutmaßen, dass sowohl die Gesten der Eltern die Sprachentwicklung der Kinder fördern, als auch ihre sprachliche Reaktion auf eine Geste des Kindes. Typischerweise reagieren Eltern, wenn ihr Kind auf etwas deutet, mit einer Äußerung wie zum Beispiel “Ja, das ist ein Katze” oder “Du willst die Puppe haben?” oder ähnlichen Antworten.
Goldin-Meadow und Rowe folgern aus ihrer Studie, dass Eltern die Sprachentwicklung ihres Kindes fördern können, indem sich nicht nur viel mit ihrem Baby sprechen, sondern auch indem sie vielfältige Gesten verwenden. “Der Wortschatz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg in der Schule”, meinen die Wissenschaftlerinnen. Der im Vergleich kleinere Wortschatz sei auch der Grund dafür, dass Kinder von Eltern mit niedrigerem Einkommen in der Schule eher scheitern als Kinder wohlhabender Eltern.





