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Fernsehen für Babys?

Dienstag, 17.02.2009 von Alexandra

Die Fernsehmacher und Werbestrategen sind gnadenlos: Keine Zielgruppe, die nicht erforscht und erschlossen wird. Das wirkt sich jetzt auch schon auf die Allerkleinsten aus. Seit Oktober 2008 gibt es eigene Fernsehprogramme für Kinder ab sechs Monaten.

BabyTV und BabyFirst sind in verschiedenen Kabelnetzen in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen verfügbar. Wie viele Babys die Programme wirklich sehen ist nicht bekannt.

Besorgt sind jedenfalls Medien- und Entwicklungspädagogen. Im besten Fall seien die Programme nutzlos, im schlimmsten Fall überfordern sie die Kinder. Dr. Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik bezeichnet das Ganze sogar unumwunden als “ganz groben Unfug”.

Natürlich reagieren die Kinder auch auf die Reize aus dem Fernseher, auf die Klänge und Farben. Aber, so Becker-Stoll, für das frühkindliche Lernen sei es wichtig, dass die Aktivität vom Kind ausgeht und es darauf eine prompte Reaktion bekommt. Im Umgang mit den Eltern ist das normal – das Kind agiert, die Eltern reagieren. Anders beim Fernseher: “Wenn sich das Kind wegdreht, geht der ja nicht aus”, so Becker-Stoll.

Zudem bräuchten Kinder für das Herstellen von neuen Verbindungen im Gehirn die gleichzeitige Aktivierung unterschiedlicher Hirnbereiche, also eine Verbindung von Sinneseindrücken mit Gefühlen und Interaktion. “Das optimale Training für das Babygehirn ist eine feinfühlige Interaktion mit der Hauptbezugsperson”, so Becker-Stoll.

Und noch nicht mal einen Unterhaltungs-Wert gesteht die Pädagogin den Sendungen zu. Sie ist überzeugt, dass die Farben, Bilder und Töne die Kinder überfordern. Sogar wenn die Babys sich vom Fernsehen abwenden, können sie den Geräuschen nicht entfliehen.

Die Macher der Fernsehkanale für Babys sind von ihrem Nutzen allerdings überzeugt und sind sicher, dass sie Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen. Schließlich sehen die Kleinen schöne bunte Bilder, bekommen Lieder vorgesungen, sollen bestimmte Geräusche Tieren zuordnen und können Filme anschauen, in denen andere Babys miteinander spielen. Unterstützt werden das Programm, so BabyFirst auf seiner Homepage, von einem Beratungsgremium mit Kinderpsychologen und Entwicklungsexperten.

BabyFirst wird gar als “brandneues pädagogisches Werkzeug” beworben, das die Bindung zwischen Eltern und ihrem Baby bereichern und ihnen neue Möglichkeiten für gemeinsames Spielen und Lernen eröffnen soll. Angeblich empfehlen führende Fachleute für Kindererziehung die Programme.

Fabienne Becker-Stoll ist selbst zweifache Mutter und weiß daher, dass manchmal die Versuchung groß ist, ein Kind kurzzeitig vor dem Fernseher zu parken. Als Babysitter sind aber auch die Babyprogramme nicht geeignet.

Die babys.de-Redaktion will wissen: Muss Baby-Fernsehen sein? Welche Sendungen können sinnvoll sein? Und wer lässt sein sechs Monate altes Baby wirklich schon fernsehen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!


 

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