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Jugendämter greifen früher ein

Donnerstag, 25.06.2009 von Alexandra

Heute hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt gegeben, wie viele Kinder die deutschen Jugendämter 2008 in ihre Obhut genommen haben. Die Zahlen sind dabei im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

Die “vorläufigen Schutzmaßnahmen” der Jugendämter umfassen die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen und die Herausnahme von Kindern und Jugendlichen aus Einrichtungen oder Pflegestellen. Bei der Inobhutnahme ist das Jugendamt verpflichtet, Kindern und Jugendlichen vorläufigen Schutz zu bieten wenn eine dringende Gefahr für ihr Wohl besteht oder wenn sie selbst darum bitten. Die so genannte Herausnahme aus einer Pflegestelle oder Einrichtung erfolgt, wenn das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern oder Jugendlichen gefährdet ist.

Das bedeutet, dass die Gründe für das Eingreifen des Jugendamtes weit gefächert sind. Nicht immer handelt es sich dabei um die leider medienwirksame Misshandlung oder den sexuellen Missbrauch von Kindern. Die Jugendämter werden auch aktiv, wenn das Kind oder der Jugendliche straftätig werden, die Eltern sich überfordert fühlen, oder wenn das Kind Probleme hat, sich in die Pflegefamilie oder ein Heim zu integrieren.

Insgesamt haben die deutschen Jugendämter 32.253 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Das sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 4.100 oder 14% mehr als im Vorjahr 2007.

Besonders auffällig dabei: Der Anteil der Kinder unter drei Jahren hat sich von 5 auf 10 Prozent verdoppelt, der Anteil der Kinder zwischen drei und sechs Jahren stieg von neun auf 14 Prozent. Die Zahlen legen nahe, dass die Jugendämter immer früher eingreifen. Da die Kinder bis zu drei Jahren nicht selbst um Hilfe bitten können, bedeutet das auch, dass immer mehr andere Personen das Jugendamt auf Probleme aufmerksam machen, etwa Nachbarn, Verwandte, Ärzte, Erzieher, also etwa Krippenpersonal oder Tageseltern, oder die Polizei.

Die meisten der insgesamt 3.233 Kinder unter drei Jahren kamen wegen der Überforderung der Eltern zum Jugendamt. Anzeichen für Misshandlung gab es bei 250 Kindern, bei 16 Kindern wurden Anzeichen für sexuellen Missbrauch festgestellt. Zwei Kinder wurden sogar deswegen in Obhut genommen, weil sie unbegleitet aus dem Ausland eingereist waren. Über 1.100 Kinder zeigten Anzeichen von Vernachlässigung, waren also nicht ausreichend ernährt und gepflegt und erfuhren allgemein nicht die notwendige Zuwendung.

Alles in allem beunruhigende Zahlen, auch wenn nicht ganz festzustellen ist, ob wirklich immer mehr Eltern mit ihren Kindern überfordert sind, oder ob die Jugendämter endlich wachsamer sind und schneller eingreifen, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

Was meint ihr? Müssten die Jugendämter noch öfter eingreifen? Oder machen sie das jetzt schon zu oft? Würdet ihr das Jugendamt einschalten, wenn ihr euch Sorgen um die Kinder anderer Leute macht? Habt ihr selbst schon einmal das Jugendamt um Hilfe gebeten?


 

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