Familienministerin Kristina Köhler will die Elternzeit für Väter verlängern. Das nimmt Frank Ochmann vom Stern zum Anlass für ein interessantes Gedankenspiel darüber, was für die Kinder wirklich am besten wäre – und ob Kinder wirklich immer Vater UND Mutter brauchen.
Nach dem Willen von Familienministerin Köhler sollen Väter in Zukunft länger Elternzeit bzw. “Väterzeit” nehmen als bisher, nämlich vier statt bisher nur zwei Monate. Mit ein Grund dafür: Köhlers Überzeugung, dass Kinder sowohl Vater als auch Mutter brauchen. Aber ist das wirklich so?
Zweifellos, ein Kind braucht soviel Eltern, wie es kriegen kann – soll heißen, wenn es zwei Eltern hat, braucht es von beiden soviel Aufmerksamkeit und Zuneigung wie es nur möglich ist. Das Gleiche gilt aber auch für die Kinder von Alleinerziehenden. Sind die dann von Haus aus irgendwie “schlechter”, weil sie nur einen Elternteil haben?
Frank Ochmann führt in seiner Kolumne Kopfwelten die Arbeit von amerikanischen Soziologen an, die an diese Frage aus wissenschaftlicher Sicht herangegangen sind. Sie haben untersucht, wie wichtig es wirklich für Kinder ist, von einem gemischtgeschlechtlichen Elternpaar großgezogen zu werden.
Die Soziologen, Timothy Biblarz und Judith Stacey, werteten über 80 Studien aus, die sich mit dem Wohl der Kinder in Familien mit gemischtgeschlechtlichen und gleichgeschlechtlichen Elternpaaren und mit nur einem Elternteil beschäftigten. Und was fanden sie heraus? Das Geschlecht der Eltern ist komplett egal. Außer dem Stillen gibt es keine einzige Fähigkeit, die nur ein Elternteil wahrnehmen kann.
Falls es überhaupt eine Ideal-Konstellation gibt, dann wäre das wohl eine Zwei-Mütter-Familie. Frauen sind nämlich immer noch ein bisschen mehr “bei der Sache” als Männer, wenn es um die Kinder geht – im statistischen Mittel, und auch nicht sehr viel. Ein hauchfeiner Vorteil für die Familie mit zwei Mamas also.
Ein hauchfeiner Nachteil auch für Kinder alleinerziehender Eltern, der meiner Meinung nach aber weniger an der Tatsache liegt, dass in diesem Fall nur ein Geschlecht in der Elternpartei vertreten ist, sondern vielmehr darin, dass Familien mit nur einem Elternteil in den allermeisten Fällen ökonomisch drastisch benachteiligt sind.
Judith Stacey kommt zu dem klugen Schluss, dass verantwortungsbewusste und verlässliche Eltern für Kinder am besten sind – und auch eine gute Mutter oder ein guter Vater allein sind besser als zwei schlechte Eltern.
Was sagt uns das nun? Nichts was für die Elternzeit wirklich relevant ist. Allerdings sollte es sich von selbst verstehen, dass ein Vater nicht nur wegen des Elterngeldes in Väterzeit geht, sonder weil es seine Kinder sind, an deren Leben er schon ein bisschen teilnehmen sollte – und das meistens auch will.
Dass man den Vätern immer noch mit mehr Anreizen in die Väterzeit locken muss, bzw. sie den Unternehmen schmackhaft machen muss, sollte vielmehr Anlass zur Diskussion geben, warum Männer immer noch mehr verdienen als Frauen, so dass die Vätermonate für viele Familien immer noch ein großes Verlustgeschäft sind. Die meisten können es sich nämlich einfach nicht leisten, dass der Mann (sprich: der Mehrverdiener) den größten Teil der Elternzeit nimmt.






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