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Anonyme Geburt & Babyklappe

Montag, 30.11.2009 von Alexandra

Der Deutsche Ethikrat ist ein aus unabhängigen Fachleuten bestehender Rat. Er beschäftigt sich mit allen Fragen, die man als Bürger nicht allein von Politikern entschieden haben möchte, also mit “ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft verfolgt, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben“.

Letzte Woche hat der Ethikrat über Babyklappen und die anonyme Geburt diskutiert. Eingerichtet wurden Babyklappen, um verzweifelten Müttern in Notlagen die Möglichkeit zu geben, ihr Kind wenigstens nach der Geburt in einem Krankenhaus oder einer ähnlichen Einrichtung abzugeben, wenn sie es schon alleine auf die Welt gebracht haben und es nicht behalten wollen oder können. Ziel ist natürlich, “Kurzschlussreaktionen” der Mütter und damit Kindstötungen oder das unversorgte Aussetzen zu verhindern.

Während Babyklappen schon seit dem Mittelalter bekannt sind, ist die anonyme Geburt eine sehr neue “Erfindung”. Dabei können Schwangere eben anonym gebären. So müssen sie ihr Kind nicht auf irgendeiner Toilette oder zu Hause ganz alleine und ohne medizinische Begleitung zur Welt bringen, auch wenn sie ihr Neugeborenes nach der Geburt nicht behalten.

Beide Angebote sollen vor allem die Kinder schützen. Rechtlich stehen Babyklappen und anonyme Geburt jedoch auf mehr als wackeligen Beinen, da sie das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auch auf eine Beziehung zu seinen Eltern  verletzen. Seit 1999 sind laut Angaben des Ethikrates über 500 Kinder zu Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft geworden.

Aus genau diesem Grund hat der Deutsche Ethikrat über anonyme Geburt und Babyklappen beraten – und ihre Abschaffung empfohlen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk kritisierte die Entscheidung, und meinte, es dürfe nicht sein “dass wir Frauen in so extremen Notlagen alleine lassen”. Die Hilfen seien nicht perfekt, aber ohne sie seien Kinder von “Aussetzung und noch Schlimmerem” bedroht. Sie sei für die “geheime Geburt”, bei der die Daten der Mutter bzw. der Eltern bis zum 16. Lebensjahr des Kindes unter Verschluss bleiben.

Schon lange kritisierten andere Fachleute, dass Babyklappen und anonyme Geburt sinnlos seien, da sie die Mütter in extremen Notlagen nicht erreichen. Soll heißen: Schwangere in derart extremen Notlagen leben prinzipiell in einem sozialen Umfeld, in dem sie solche Angebote gar nicht kennenlernen.

Die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates kann man sich hier ansehen (pdf). Sie enthält auch allgemeine Empfehlungen zum Ausbau der Schwangerenberatung. Übrigens haben sechs Mitglieder des Rates ein Sondervotum formuliert: Sie sind der Meinung, dass Babyklappe bzw. anonyme Geburt für manche Frauen der letzte Ausweg sind. Daher  können sie die Entscheidung gegen diese Einrichtung nicht mittragen.


 

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