Wochenbettdepressionen können bei jeder Frau zuschlagen, ganz unabhängig von ihrem Umfeld, ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte, und wie sehr sie sich während der Schwangerschaft auf ihr Neugeborenes gefreut hat. Laut einer amerikanischen Studie leiden aber besonders arme Mütter, die in einer Stadt leben, unter einer Wochenbettdepression.
Ein Team der University of Rochester (US-Bundesstaat New York) untersuchte unter der Leitung von Linda Chaudron rund 200 Stadtbewohnerinnen mit niedrigem Einkommen. Dabei mussten die Forscher feststellen, dass 56 Prozent der Mütter im Zeitraum von zwei Wochen bis 14 Monate nach der Entbindung unter Wochenbettdepressionen litten. Diese große Zahl hatte sie nicht erwartet. Normalerweise sind durchschnittlich 10 bis 14 Prozent der Mütter von Depressionen betroffen, schreibt das Gesundheitsportal NetDoktor.
Der Auslöser für die Depressionen nach der Entbindung, die wahlweise als Wochenbettdepression, postnatale Depression, postpartale Stimmungskrise oder auch “Baby Blues” bezeichnet werden, sind neben der körperlichen Erschöpfung nach Schwangerschaft und Geburt auch die hormonellen Veränderungen.
Diese hormonellen Veränderungen wirken sich ähnlich aus wie etwa im Monatszyklus oder auch im Anfangsstadium der Schwangerschaft, wenn die Hormonumstellung zu den fast schon sprichwörtlichen Stimmungsschwankungen führt. Neben diesen rein körperlichen Ursachen fördert auch die knallharte Konfrontation mit einer neuen Lebenssituation – das Leben mit und, zumindest für die absehbare Zukunft, fast ausschließlich für das Kind – das Entstehen von Depressionen.
Die Symptome der Wochenbettdepression reichen von Reizbarkeit und raschen Stimmungsschwankungen über Schlafstörungen, Traurigkeit, Angst, Schuldgefühle bis hin zu Selbstmordgedanken oder Plänen, das Kind zu verletzen oder gar zu töten.
Mangelnde Informationen über Wochenbettdepressionen und das Fehlen von Unterstützung oder auch nur Verständnis der Familie machen die Situation nur noch schlimmer. Viele Frauen schämen sich für ihre Depressionen, fühlen sich als schlechte Mütter und scheuen sich deswegen, Hilfe zu suchen.
Dabei ist gerade Schweigen und Vertuschen die schlechteste Lösung – Wochenbettdepressionen können in fast allen Fällen mit einer Therapie behandelt und geheilt werden. Manchmal reicht es sogar schon aus, wenn die Mutter weiß, dass es sich bei der Wochenbettdepression um einen durchaus “normalen” Vorgang handelt und dann damit umgehen kann.






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