Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen eine 22jährige Frau, die im Verdacht steht ihr neugeborenes Kind umgebracht zu haben. Bei einer ärztlichen Untersuchung war festgestellt worden, dass die Frau erst vor kurzem entbunden hatte.
Die junge Frau hatte sich vor einigen Tagen in einem Kasseler Krankenhaus frauenärztlich untersuchen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass sie erst vor kurzer Zeit entbunden haben musste. Auf Fragen gab die Frau zu, am vorhergehenden Tag allein in ihrer Wohnung ein Kind auf die Welt gebracht zu haben. Das Neugeborene habe sie abgenabelt und in eine Tasche gepackt. Ihre Schwangerschaft hatte sie geheim gehalten.
Bei der Wohnungsdurchsuchung wurde tatsächlich die Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden. Die Obduktion ergab, dass das Mädchen bei der Geburt noch gelebt hatte und an einer Stichverletzung gestorben ist.
Die Kriminalpolizei Kassel ermittelt nun wegen Verdachts auf ein Tötungsdelikt gegen die Frau, gegen die auch Haftbefehl erlassen wurde. Die 22-Jährige äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.
In solchen Fällen stellen sich immer die gleichen Fragen: Was treibt einen Menschen zu so einer Tat? Hätte der Tod des Kindes vermieden werden können? Gibt es für Schwangere und junge Mütter in verzweifelten Situationen genug Hilfen? Immer wieder werden auch die Hinweise auf die Babyklappen und Angebote wie die anonyme Geburt laut.
In Lübeck beispielsweise gibt es ein ganzes Programm, das Schwangeren helfen soll, mit als ausweglos empfundenen Situationen fertigzuwerden. Verschiedene Einrichtungen haben sich zusammengeschlossen, und bieten schwangeren Mädchen und Frauen Hilfe. Dazu gehören anonyme Beratungsangebote, die Möglichkeit für anonyme Untersuchungen, Babyklappe und die anonyme Geburt ebenso wie Hilfe für die Frauen, die ihr Kind zur Adoption freigeben wollen. Das erklärte Ziel ist es, heimliche Geburten, das Aussetzen von Kindern und Kindstötungen zu vermeiden.
Viele Kritiker bemängeln allerdings, dass solche Angebote nicht bei den Frauen ankommen, die die Hilfe wirklich benötigen, oder dass Frauen in einer solchen Situation panisch reagieren und Hilfsangebote deshalb nicht in Anspruch nehmen.
Zudem wird dem Kind bei der anonymen Geburt oder dem Abgeben in der Babyklappe die Möglichkeit genommen, seine eigene Herkunft zu kennen – das Recht auf dieses Wissen ist übrigens ein Bestandteil der UN-Kinderrechtskonvention.
Trotzdem – ist das nicht doch besser als eine Frau oder ein junges Mädchen ohne Hilfe zuhause entbinden und mit ihrem Kind völlig allein zu lassen und das Risiko der Kindstötung einzugehen? Was meint ihr dazu?





