Seit Jahren ist es DAS Klischee schlechthin, wenn es um Geburtsvorbereitungskurse geht: das Atmen. Der Schmerz der Wehen soll so buchstäblich “weggeatmet” werden. Vielen Frauen wird die Vorstellung vermittelt dass die Entbindung fast ein Zuckerschlecken ist – wenn sie nur ordentlich atmen! Und der Partner hechelt zur Unterstützung am besten gleich mit.
Eine schwedische Studie, die vom renommierten Karolinska-Institut durchgeführt wurde, hat sich jetzt mit Geburtsvorbereitungskursen befasst und ihre Wirksamkeit danach beurteilt, ob die Mütter während der Geburt nach einer PDA verlangten. Das Ergebnis mag erstaunen: Es macht keinen Unterschied.
An der Studie nahmen über 1000 Mütter teil. Die Hälfte besuchte einen Geburtsvorbereitungskurs, der natürlich Methoden zur Schmerzbewältigung lehrte, die andere Hälfte einen Kurs, der Schmerzmittel empfahl. Als die Frauen Wehen bekamen, entschieden sich knapp über die Hälfte der Frauen aus jeder Gruppe für eine Periduralanästhesie (PDA) zur Schmerzminderung.
Die Forscher halten die PDA-Quote für einen guten Maßstab dafür, als wie schmerzhaft die Geburt empfunden wird. Siebzig Prozent der Frauen aus dem Kurs für natürliche Geburt gaben an, die gelernten Techniken angewendet zu haben, darunter Atem- und Entspannungstechniken und positives Visualisieren.
Eine der Leiterinnen der Studie, die Psychologin Malin Bergström, schließt daraus, dass eine “natürliche” Vorbereitung auf die Geburt das Bedürfnis nach schmerzstillenden Mitteln nicht verringert und auch nicht zu einer besseren Geburtserfahrung führt.
Wir sind beileibe nicht gegen eine gründliche Vorbereitung auf die Geburt, ganz im Gegenteil, und wir stehen auch voll hinter jeder Maßnahme, die eine Gebärende unterstützt und ihr ein bisschen mehr Kontrolle über ihre Situation gibt.
Aber vielleicht führt diese Studie endlich dazu, dass Frauen sich nicht mehr länger quälen, wenn sie die Schmerzen während der Geburt kaum noch aushalten. Eine Geburt ist anstrengend genug – da braucht eine Frau bestimmt keine Schuldgefühle, nur weil sie wohl nicht in der Lage ist, “richtig” zu atmen und so die Schmerzen zu ertragen.
Was waren eure Erfahrungen bei der Geburt? Konntet ihr den Schmerz wegatmen oder wegvisualisieren? Habt ihr euch für eine PDA entschieden? Was würdet ihr bei eurer nächsten Entbindung machen?





