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Lüge Baby-Boom?

Mittwoch, 18.02.2009 von Alexandra

Ursula von der Leyen freut sich. Sie hat Anfang der Woche den Familienreport 2009 vorgestellt, aus dem hervorgeht, dass im Jahr 2007 12.000 Kinder mehr geboren wurden als noch 2006. Von der Leyen ist überzeugt, dass ihr Familienministerium für einen neuen Baby Boom in Deutschland gesorgt hat.

Besonders auch Frauen zwischen 30 und 40 bekommen mehr Babys; dies sei das Alter, in dem Paare überlegen, ob sie Beruf und Familie vereinbaren können. Gerade junge Menschen hätten zunehmend das Gefühl, als Eltern von der Gesellschaft unterstützt zu werden. Sie wertet dies als Erfolg für die Sozialpolitik der Bundesregierung, und vor allem wohl auch als Erfolg des 2007 von ihrem Haus eingeführten Elterngeldes.

Ursula von der Leyen ist überzeugt, dass gerade in schwierigen Zeiten die Familie Konjunktur hat. Zudem nehme gerade bei Männern der Wunsch nach einem Kind zu, die Vaterrolle ändere sich: “Die Männer wollen heute mehr Zeit mit der Familie verbringen”, so die Familienministerin.

Auch 2008 sind zumindest bis September noch einmal mehr Kinder auf die Welt gekommen. Laut dem Statistischen Bundesamt sind 2006 672.724 Kinder zur Welt gekommen, 2007 waren es 684.862. Das Bundesamt geht für 2008 von einer Gesamtzahl von bis zu 690.000 Geburten aus. So betrachtet ist die Zunahme eigentlich schon wieder rückläufig – ist der Baby Boom also doch nicht echt?

Kaum stellte Ursula von der Leyen den Familienreport 2009 vor, in dem Daten rund um Familien und Familienpolitik zusammengefasst werden, machten sich kritische Journalisten und Blogger an die Arbeit. Sie wollten wissen, was es mit dem Geburtenaufschwang auf sich hat – falls es ihn denn gibt. Mehr als nur eine Seite kommt zu dem Ergebnis, dass der Baby Boom schlichtweg keiner ist.

Ein Blogger ist der Meinung: Ursula von der Leyen arbeitet mit statistischen Tricks. So unterschlägt sie beispielsweise, dass die Geburtenzahlen 2005 mit 685.795 noch höher waren als 2007. Er verweist auch auf die positive Elterngeldbilanz, die von der Leyen im Oktober vergangenen Jahres vorlegte. Zwar hätten 103.000 Väter einen Antrag auf Elterngeld gestellt, 67.000 davon hätten aber nur das Minimum von zwei Monaten Elternzeit genommen. Nur 13.000 Väter seien ein ganzes Jahr zuhause geblieben. Das von-der-Leyensche Elterngeld sorge also keineswegs für eine Schwemme an “neuen Vätern”.


 

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