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Wie nötig ist der Kaiserschnitt?

Mittwoch, 10.03.2010 von Alexandra

Rund ein Drittel aller Schwangerschaften endet nicht mit einer vaginalen Geburt, sondern mit einem Kaiserschnitt. Notwendig ist die Operation aber nicht in allen Fällen: Die Techniker Krankenkasse (TK) schätzt, dass nur zwei von hundert Kaiserschnitten wirklich aus medizinischen Gründen nötig ist.

Wurde in der letzten Zeit oft behauptet, dass Frauen sich einen Kaiserschnitt “wünschen”, weil sie vom Vorbild prominenter Mütter beeinflusst werden oder weil sie sich vor den Schmerzen während der Entbindung fürchten, ist die TK anderer Meinung: Der geplante Kaiserschnitt werde nicht so oft von den Eltern gewünscht, sondern von den Ärzten empfohlen. Die DAK allerdings meint immer noch, dass Schwangere sich oft aus Angst vor Geburtsschmerzen, Inkontinenz oder einem Dammriss für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden.

Bei den Risiken sind die Krankenversicherungen sich aber wieder einig: Auch ein Kaiserschnitt birgt Gefahren. „Für die Mutter bestehen dieselben Risiken wie bei jeder anderen OP auch: Narkosezwischenfälle, Blutungen und Infektionen“, meint DAK-Expertin Christiane Kutter-Deest im Ärzteblatt.

Jürgen Langosch vom TK-Ärztezentrum macht in den Süddeutschen darauf aufmerksam, dass die Risiken bei einem Kaiserschnitt sogar höher sind als bei einer normalen Entbindung. Dazu gehören vor allem die Risiken auf Thrombosen und Blutungen.

Das Mahnen der Krankenkassen vor dem Kaiserschnitt ist dabei vermutlich nicht völlig selbstlos. Die Kosten, die die Gebärende bei einer Hausgeburt oder der Geburt in einem Geburtshaus “verursacht”, sind viel niedriger als bei einem Kaiserschnitt. Beim Kaiserschnitt kommen zudem noch die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt und ausgiebigere Nachsorge dazu. Die heute übliche ambulante Geburt und die Nachsorge durch eine Hebamme sind da einfach günstiger.

Wie sehr die Entscheidung für einen Kaiserschnitt auch von der Gesellschaft beeinflusst wird, sieht man schnell im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. So dürften etwa in Italien und den Niederlanden Notkaiserschnitte nicht wirklich mehr oder weniger oft notwendig sein als bei uns in Deutschland. Trotzdem liegt die Kaiserschnittrate in Italien bei 38 Prozent, in den Niederlanden bei 16 Prozent.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – ein Notkaiserschnitt kann für Mutter und Kind lebensnotwendig sein, und es ist ein Segen in einem Land zu leben, in dem so ein Eingriff relativ problemlos und risikoarm vorgenommen werden kann.

Das sollte aber kein Grund dafür sein, dass Ärzte Schwangere zu einem Kaiserschnitt “drängen”, nur weil er für sie praktischer und kontrollierbarer ist als eine vaginale Geburt. Nicht umsonst hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ihren neuen Themenschwerpunkt Kaiserschnitt unter “problematische Geburt” eingeordnet …


 

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NEUESTE KOMMENTARE:

 

  • Dana | 10.03.2010 um 11:49

    Solange sich die Frauen nicht informieren und zur Wehr setzten, wird sich daran nichts ändern. Es ist bewiesen, dass jede unnötige Intervention das Risiko auf einen KS erhöht. Und trotzdem wird nichts keine Entscheidung der Götter in Weiß hinterfragt und alles hingenommen.
    Aber leider ist dieses Thema ein Fass ohne Boden :-((.

    Ich sag nur Aufklärung, Bücher lesen und selbstbestimmt gebären, vll auch mit Hilfe einer Doula.

    LG Dana

     

  • Wie nötig ist der Kaiserschnitt? | 10.03.2010 um 11:56

    [...] post by Alexandra Wir danken den Original-Autoren für die Bereitstellung ihrer RSS-Feeds. Sollten Sie die [...]

     

  • BabyDreamers | 11.03.2010 um 10:04

    Kann mich meiner Vorschreiberin nur anschließen!

    Es hilft bestimmt sich vor der Geburt Gedanken darüber zu machen, was man möchte und was nicht, das am besten nieder zu schreiben und als eine Art “Patientenverfügung” mit zu nehmen.
    Man sollte darin auch Dinge festhalten, Füttern mit der Flasche, Schnuller usw.

    Eine Doula finde ich übrigens auch ganz toll. Da hat man jemanden an seiner Seite, der sich für seine Interessen einsetzt. Denn der Partner ist meistens viel zu sehr emotional involviert und ja auch besorgt um seine Partnerin…

     

  • Hannah | 12.03.2010 um 09:17

    Stimmt, ich finde es auch sehr schade, dass so viele Schwangere Angst vor der Geburt haben (ich denke wirklich, dass das der Grund ist), und sich deswegen für einen KS entscheiden. Diese Angst wird aber auch sehr geschürt. Als ich soweit war, habe ich fast nur negative Geburtsberichte gesehen, dabei habe ich wirklich nach positiven gesucht. Immer wird von unerträglichen Schmerzen geredet. Muss aber nicht sein. Informiert euch! Z.B über Hypnobirthing. Und, ja: auch ich finde Doulas sehr hilfreich und beruhigend.
    LG, Hannah

     

 

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