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Asthma: Keine Angst vor Cortison

Montag, 11.05.2009 von Alexandra

Asthma ist eine die am weitesten verbreiteten chronische Erkrankung bei Kindern in Deutschland: Eins von zehn Kindern unter zwölf Jahren leidet darunter. Trotzdem wird die Krankheit immer noch nur zögerlich von Ärzten diagnostiziert und eine effektive Therapie dadurch verzögert.

Wie stern.de berichtet, hat die Krankenkasse DAK nun zusammen mit dem Forschungsinstitut Iges über 1300 Eltern von asthmakranken Kindern befragt. Heraus kam, dass die Hälfte der Eltern bei mehr als einem Arzt war, bis die Diagnose Asthma gestellt wurde; fast zwanzig Prozent waren sogar bei drei oder mehr Ärzten.

In rund einem Viertel der Fälle musste das Kind sogar mit Atembeschwerden ins Krankenhaus, ohne dass die Ursache wirklich erkannt wurde. Professor Ulrich Wahn, Leiter der Berliner Charité-Kinderklinik mit Schwerpunkt Lungenheilkunde und Immunologie nennt die Studienergebnisse “erschreckend”. Auch er muss oft Kinder behandeln, die mit lebensbedrohlichen Asthma-Anfällen zu ihm kommen.

Das späte Erkennen von Asthma ist ein großes Problem, weil erst nach der Diagnose eine geeignete Behandlung beginnen kann. Laut Professor Wahn ist es entscheidend, die Therapie noch vor dem fünften Lebensjahr zu beginnen. Mit der richtigen Behandlung kann Asthma nämlich auch wieder verschwinden – aber es muss eben rechtzeitig behandelt werden.

Zum Einsatz kommen bei der Asthma-Therapie unterschiedliche Medikamente. Die Kinder bekommen ein Spray, das sie bei Asthma-Attacken inhalieren können. Es erweitert die Bronchien, so dass das Kind wieder atmen kann. Diese Medikamente nennt man auch “Reliever” (Erleichterer), weil die Symptome sofort mildern.

Um solche Anfälle überhaupt zu vermeiden, kommt noch ein “Controller” dazu, der die Entzündungsvorgänge in den Bronchien unterdrückt, die das Asthma auslösen. Meist enthalten diese Sprays Corticosteroide, die man meist einfach Cortison nennt. Diese Controller können den allermeisten Asthma-Attacken vorbeugen.

Aber auch wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt und richtig therapiert wird, gibt es trotzdem noch ein großes Hindernis auf dem Weg zur völligen Genesung: die Eltern! Laut der DAK-Studie lassen rund 15 Prozent der Eltern die Medikamente einfach ganz weg, wenn ihr Kind keine aktuellen Symptome zeigt, und fast zwanzig Prozent der Eltern reduzieren eigenmächtig die Medikamentendosis, weil sie vor den Nebenwirkungen Angst haben.

Dabei kann gerade ein eingeschränkter Gebrauch von Entzündungshemmern dazu führen, dass die Kinder mehr des bronchienerweiternden Sprays brauchen. In großen Mengen sind dessen Nebenwirkungen aber schlimmer als die von Cortison.

Dr. Hans-Joachim Mansfeld, Chefarzt der auf Atemwegserkrankungen spezialisierten Allergieklinik in Davos, meint dazu „Cortison geistert wie ein Schreckgespenst in den Köpfen herum, dabei ist es für die Asthmabehandlung unerlässlich und hier weitgehend frei von Nebenwirkungen“.

Dass Eltern versuchen, ihrem Kind möglichst wenig Medikamente zu verabreichen, ist absolut verständlich und oft bestimmt auch sinnvoll. Wie wir sehen, ist es bei manchen Krankheiten aber auch gefährlich. Kann es vielleicht sein, dass die Ärzte sich zu sehr auf den blinden Gehorsam der Patienten verlassen, und ihnen nicht ausreichend erklären, welche Folgen ihr Handeln haben kann?


 

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