Kleine Kinder werden durch Blei in der Umwelt in ihrer geistigen und emotionalen Entwicklung gestört, wie britische Forscher jetzt herausgefunden haben. Das trifft auch dann zu, wenn der Bleispiegel im Blut unterhalb der als “sicher” betrachteten Menge liegt. Sie raten deswegen dazu, dass die erlaubten Werte halbiert werden sollten.
Die schädliche Wirkung von Blei auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern ist schon seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Seither wurden die erlaubten Grenzwerte immer wieder gesenkt, und nach Angaben der WHO sollte ein Wert von 100 Mikrogramm pro Liter Blut nicht überschritten werden.
Die britischen Forscher unter der Leitung von Professor Alan Emond beobachteten 582 Kinder ab ihrem 30. Lebensmonat. 27 Prozent davon hatten mehr als 50 Mikrogramm Blei pro Liter Blut. Die Wissenschaftler verfolgten die Entwicklung der Kinder, und sie konnten feststellen, dass die Bleiwerte im Alter von 30 Monaten ganz deutlich mit schulischen Leistungen (Lesen und Schreiben), “antisozialem Verhalten” und auch mit erhöhten Werten auf einer Hyperaktivitäts-Skala zusammenhingen.
Bei Werten unter 50 Mikrogramm pro Liter Blut ließen sich keine offensichtlichen Auswirkungen feststellen; bei Werten über zehn Mikrogramm verdreifachte sich die Wahrscheinlichkeit der oben genannten Probleme.
Emond ist besonders beunruhigt von der Tatsache, dass ein Drittel der Kinder in der Studie unterhalb des bisher als “sicher” erachteten Werts liegen, aber trotzdem Probleme haben. Seiner Meinung nach sollten Kinderärzte Kinder mit Verhaltensproblemen auch auf ihre Bleiwerte testen.
Nicht nur in Großbritannien, sondern in den meisten Ländern wurde in den letzten Jahren die Bleibelastung der Umwelt deutlich gesenkt, etwa durch Verbote von Blei in Benzin, in Farben und in anderen Werkstoffen. Auch die früher üblichen Bleirohre für die Wasserversorgung, eine fast schon legendäre Quelle für Bleivergiftungen, haben ausgedient.
Trotzdem befindet sich in der Umwelt ganz offensichtlich leider noch genug Blei, um die empfindlichen Kinder zu schädigen. Womöglich sind hierfür billige, unsichere Spielzeuge verantwortlich, die mit bleihaltiger Farbe bemalt sind – das ist vor allem bei markenlosen Produkten und Produkten aus Fernost der Fall. Gerade Kleinkinder stecken gern alles in den Mund und nehmen so auch Blei aus der Farbe auf.





