Direkt nach der Geburt wird bei Neugeborenen an einer Ferse Blut abgenommen und untersucht. So können viele Krankheiten schon frühzeitig erkannt und behandelt werden. Nicht zuverlässig erkannt wird bei diesen Bluttests allerdings das Zytomegalievirus (ZMV). Es kann während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden und schwere Schäden verursachen.
Das Zytomegalievirus gehört zu Gruppe der Herpesviren. Es ist für Erwachsene relativ ungefährlich, und die meisten Infektionen werden gar nicht bemerkt. Bei schwangeren Frauen können sie von der Mutter auf das ungeborene Kind übergehen. Die Plazenta bietet dem Kind in diesem Fall keinen Schutz.
Eine Ansteckung im ersten oder zweiten Trimester löst häufig schwere Fehlbildungen beim Kind aus, an inneren Organen ebenso wie an Muskulatur und dem Skelett, oft kommt es zu Hörschäden bis hin zur Taubheit. Auch geistige Behinderungen können die Folge sein; bis zu 30 Prozent der Kinder sterben sogar.
Bisher lässt sich der Virus bei Neugeborenen nur in Urinproben sicher feststellen, die umständlicher zu gewinnen sind als die ohnehin nach der Geburt genommene Blutprobe. Zudem ist die Untersuchung sehr aufwändig und teuer und wird deshalb nicht routinemäßig durchgeführt.
Eine US-amerikanische Studie an über 20.000 Babys hat nun erkennen lassen, dass der Bluttest an Neugeborenen kein geeigneter Weg ist, dem ZMV zuverlässig auf die Schliche zu kommen. Trotz fortschrittlichster Diagnoseverfahren konnten durch eine Blutuntersuchung nur rund 35 Prozent der tatsächlichen Zytomegalie-Infektionen erkannt werden. Für den standardmäßigen Einsatz müsste das Verfahren aber mindestens 95 Prozent der kranken Babys erkennen, so Studienleiter Suresh Boppana von der University of Alabama, an der die Studie durchgeführt wurde.
Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob Speichelproben besser für die Tests auf das ZMV geeignet sind. Speichel enthält im Vergleich zu Blut mehr Viren, und ist zudem natürlich leicht zu sammeln.





