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Gehirnerschütterung – nicht so harmlos

Montag, 18.01.2010 von Alexandra

Es kommt so oft vor: Ein Kind klettert auf einen Baum und fällt herunter – und schlägt dabei mit dem Kopf auf. Anstelle eines Baums kann es auch ein Klettergerüst auf dem Spielplatz sein, das Hochbett im eigenen Kinderzimmer oder ein ansonsten ungefährlich aussehendes Möbelstück.

Kopfverletzungen sind da an der Tagesordnung. Dramatisch und beängstigend sind sie, wenn es dabei eine Platzwunde gegeben hat, die am Kopf bekanntermaßen besonders reichlich blutet. Häufig sind auch Gehirnerschütterungen die Folge. Die Anzeichen dafür sind kurzfristige Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit und Erbrechen. Das geht aber schnell vorbei und ist harmlos – oder etwa nicht?

Kanadische Wissenschaftler sind jedenfalls laut dem Gesundheitsportal netdoktor.de der Meinung, dass Gehirnerschütterungen viel zu selten ernst genommen werden. Sie finden den Ausdruck Gehirnerschütterung verharmlosend, dabei handele es sich aber um eine traumatische Gehirnverletzung, die ernsthafte Folgen haben könne.

Die Forscher der McMaster University in Hamilton (Ontario) werteten unter der Leitung von Carol DeMatteo Krankenberichte von Kindern mit Gehirnverletzungen aus. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen der Kinder, bei denen ausdrücklich eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde, kürzer im Krankenhaus blieben und früher wieder in die Schule gingen.

Dies war bei Kindern anders, bei denen zwar das gleiche Krankheitsbild diagnostiziert wurde, dafür aber der Begriff “milde traumatische Gehirnverletzung” verwendet wurde.

DeMatteo weißt darauf hin, dass es sich bei einer Gehirnerschütterung um eine zwar milde traumatische Gehirnverletzung handele, die aber durchaus ernstzunehmende Folgen haben könne. Der harmlose Klang des Wortes “Gehirnerschütterung” täusche.

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, als sie sich die Krankengeschichten von rund 450 Kindern ansahen, die mit einer Gehirnverletzung in die Kinderklinik gekommen waren. Bei 300 Kindern wurde die Gehirnverletzung als gravierend eingeschätzt, bei rund 30 Prozent davon wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert.

Oft werde eine Gehirnerschütterung auch von den Eltern verharmlost, die davon ausgehen, dass die Symptome schnell abklingen und die Kinder bald gesund werden. Wenn die Kinder jedoch zu schnell wieder ihre gewohnten Aktivitäten ausüben dürfen, steige die Gefahr einer zweiten Gehirnverletzung, so DeMatteo.

Das kanadische Studienteam ist deswegen dafür, den schwammigen Begriff “Gehirnerschütterung” zugunsten präziserer Ausdrücke aufzugeben, so dass auch die Eltern der Kinder wissen, was genau ihrem Kind zugestoßen ist und wie ernst es sein kann – weil die erste Hilfe zwar wichtig ist, aber ausreichend Zeit zur Genesung eben auch! Schließlich soll die “harmlose” Gehirnerschütterung auch wirklich ohne Folgen bleiben.


 

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