In Erfurt fand vor wenigen Tagen der 3. Deutsche Influenza-Kongress statt. Dabei empfahl der Kinderarzt Professor Heino Skopnik vom Klinikum Worms, an Influenza erkrankte Kinder rasch zu therapieren. Damit können nicht nur Komplikationen vermieden werden, auch die Ausbreitung der Krankheit wird so gestoppt.
Dabei ging es ausnahmsweise einmal nicht um die Schweinegrippe. Sogar in Zeiten der Schweinegrippe ist nämlich auch die übliche saisonale Grippe immer wieder interessant. Gerade Kinder tragen zu ihrer Verbreitung bei, in Schulen und Kindergärten kann die Krankheit problemlos von einem Kind zum anderen springen und wird dann als unerwünschtes Geschenk nach Hause gebracht.
Immerhin jedes dritte Kind erkrankt bei der jährlichen Grippewelle an Influenza. Dabei ist die Diagnose bei Kindern besonders schwierig, denn die typischen Symptome der Grippe können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftauchen. Eine genaue Untersuchung ist also notwendig, um den plötzlichen Krankheitsbeginn, die Gliederschmerzen und das hohe Fieber, dem keine Hausmittel gewachsen sind, eindeutig der Grippe zuordnen zu können. Entscheidend kann dabei ein Influenzaschnelltest sein, der von der Krankenkasse allerdings nicht bezahlt wird.
Skopnik empfiehlt für Kinder mit deutlichen Symptomen und hohem Fieber eine antivirale Therapie, die innerhalb der ersten zwei Tage der Grippe-Erkrankung begonnen werden sollte. Dabei kommt vor allem der Wirkstoff Oseltamivir (enthalten im Medikament Tamiflu) zum Einsatz, der für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen ist. Es kann die Krankheitsdauer um 35 Prozent, das Auftreten von Komplikationen wie Mittelohrentzündungen sogar um 40 Prozent senken, so ein Bericht der Ärztezeitung.
Problematisch bleibt weiterhin die Behandlung von an Grippe erkrankten Säuglingen. Für die Anwendung im ersten Lebensjahr ist der Wirkstoff Oseltamivir nicht zugelassen. Da aber gerade Kinder in diesem Alter am häufigsten von Komplikationen im Zusammenhang mit der Influenza auftreten, plädiert der Arzneimittelausschuss der europäischen Zulassungsbehörde EMEA dafür, erkrankte Kinder schon im ersten Lebensjahr mit Oseltamivir zu behandeln.
Der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten, Peter Wutzler, schlug vor, auch schon Kinder im Alter von 6 Monaten gegen die Grippe impfen zu lassen, eben um die hohen Risiken und möglichen Komplikationen zu vermeiden. Dies berichtete das Internetportal Onmeda im September im Vorfeld des Influenza-Kongresses.





