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Kinderarznei ungenügend geprüft

Montag, 29.06.2009 von Alexandra

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V. (DPhG) fordert bessere Arzneimittel für Kinder. Nach Angaben des Vereins erhalten Kinder oft Medikamente, die nicht bei Kindern getestet wurden und speziell für Kinder zugelassen sind. Zudem sei meistens die Anwendungsform für Kinder völlig ungeeignet.

Nicht auf die Bedürfnisse von Kindern abgestellte Arzneimittel seien eine Gefährdung für Kinder, die rasch beseitigt werden müsse. Die DPhG fordert daher “die zuständigen Politiker und Akteur im Gesundheitswesen” zum sofortigen Handeln auf, damit kindgerechte Medikamente für Kinder jeden Alters bereitgestellt werden.

Das Problem bei der Medikation von Kindern: Sie sind eben keine kleinen Erwachsenen. Ihr Stoffwechsel verwertet Medikamente anders als der von Erwachsenen; manche Mittel werden schnelle abgebaut, manche langsamer. Daher reicht es nicht, einfach ein Erwachsenenmedikament in einer Dosis zu verabreichen, die auf das Gewicht des Kindes abgestimmt ist.

DPhG-Präsident Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz erklärt, dass es praktisch keine Studien und Tests zur Wirksamkeit von Medikamenten bei Kindern gebe. Die Gründe dafür? Wohl kaum jemand will Kinder den Belastungen von Medikamententests aussetzen, zudem haben Firmen Angst vor Negativ-Schlagzeilen, falls sie es doch täten. Laut Schubert-Zsilavecz erhalten aus diesen Gründen vor allem sehr kleine und sehr kranke Kinder unzureichend geprüfte Arzneimittel.

Eine gründliche Prüfung auf Sicherheit und Wirksamkeit sei auch für Kindermedikamente möglich, so Schubert-Zsilavecz. Der Einsatz virtueller Studien, also am Computer simulierter Tests, könne dazu beitragen, dass die Zahl der tatsächlich an den Studien teilnehmenden Kindern so gering wie möglich gehalten werden könne.

Ein weiterer Kritikpunkt der DPhG: Viele Medikamente sind in ihrer Anwendungsform nicht kindgerecht. Das können alle Eltern nachvollziehen, die ihrem Säugling schon einmal Arzneimittel in Form bitterer Tropfen oder einer schwer zu teilenden Tablette verabreichen mussten. Wer aber ein Medikament nur schwer verabreichen kann, läuft auch Gefahr die falsche Dosis zu verabreichen, und die effektive Behandlung der Krankheit wird erschwert.

Seit 2007 schreibt eine europäische Gesetzesinitiative zwar vor, dass Hersteller Medikamente für Kinder in einer “akzeptablen, leichten, sicheren oder effektiveren Form” anzubieten haben. Das gilt aber nur für neue Arzneimittel, nicht für die, die schon seit Jahren auf dem Markt sind und immer wieder verschrieben werden.

Nach Ansicht der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft fehlen hier die gesetzlichen und wirtschaftlichen Reize dafür, dass kindgerechte Medikamente bzw. kindgerechte Anwendungsformen entwickelt werden.

Das Problem scheint uns fast unlösbar: Entweder die Hausapotheke ist voller Medikamente, die nicht auf den kindlichen Organismus abgestimmt sind und die man Kindern nur schwer verabreichen kann, was die Behandlung zu einer Art Glücksspiel macht, ODER irgendwelche Eltern müssen ihre Kinder für Medikamententests hergeben.

Was ist eure Meinung dazu? Sollten Medikamente an der Gruppe getestet werden, die sie später verwenden soll? Oder dürfen Kinder auf gar keinen Fall an Medikamententests teilnehmen? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!


 

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