Kinder haben oft Schmerzen, egal ob nun das Zahnen Schmerzen bereitet, das aufgeschürfte Knie wehtut, Durchfall für Bauchschmerzen sorgt oder es zu Kopfschmerzen kommt. Kopf- und Bauchschmerzen sind sogar die häufigsten chronischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen. Neben einer herkömmlichen Schmerztherapie kann auch eine psychologische Beratung helfen.
Die chronischen Schmerzen sollten bei den Eltern spätestens dann für gesteigerte Wachsamkeit sorgen, wenn Verpflichtungen und Hobbys nicht mehr wahrgenommen werden können, findet Psychologin Ria Matwich von der Universität Gießen.
Matwich arbeitet dort in der verhaltenstherapeutischen Ambulanz, die deutschlandweit als erste Schwerpunktmäßig mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt, die unter chronischen Schmerzen leiden. Eltern können sich an die Ambulanz wenden, wenn verschiedene Ärzte organische Ursachen für die Schmerzen schon ausgeschlossen haben. Die Schmerzen können das Kind, manchmal aber auch die ganze Familie sehr belasten.
In den meisten Fällen haben Hausärzte, Kinderärzte und Fachärzte körperliche Gründe für die Schmerzen ausschließen können, die üblichen Kinderkrankheiten sind also in der Regel nicht die Ursache, und auch Exotenkrankheiten wie Parasitenbefall wären bei diesen Untersuchungen aufgedeckt worden.
Am Anfang der Behandlung steht noch einmal eine aufwändige Diagnose-Erstellung, bei der auch andere Probleme abgefragt werden, vor allem auch Angststörungen wie Schulangst bei Schulkindern. Aber auch jüngere Kinder können schon an Angststörungen leiden, die sich dann oft als chronische Bauchschmerzen ausdrücken. Gelegentlich steckt hinter den chronischen Schmerzen sogar sexueller Missbrauch.
Danach versuchen die Psychologen herauszufinden, welchen Stellenwert die Schmerzen in der Familie einnehmen. “Eltern können das Schmerzverhalten ihres Kindes durch ihr eigenes Verhalten verstärken, indem sie ihre große Besorgnis erkennen lassen, dem Schmerz viel Aufmerksamkeit schenken und großes Engagement an den Tag legen”, meint Matwich.
So lernt das Kind, dass die unangenehmen Schmerzen doch noch etwas Gutes haben können, indem die ganze Familie sich um das Kind kümmert, nur noch das Lieblingsessen gekocht wird, die Eltern alle anderen Tätigkeiten einschränken und sich alles nur um das Kind und seine Schmerzen dreht.
Im nächsten Schritt lernen die Kinder verschiedene Schmerzbewältigungsstrategien, etwa trotz der Schmerzen Freunde zu treffen oder sich gezielt abzulenken. Matwich hält es auch für wichtig, dass die Schmerzen nicht “katastrophiert” werden. Die negativen Gefühle können die Schmerzen nämlich noch verstärken. Verschiedene Techniken, wie etwa bewusstes Entspannen und Fantasiereisen, helfen die Schmerzen zu bewältigen und geben dem Kind zumindest ein bisschen Kontrolle über sein Leben zurück.
Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet und direkt bei Ria Matwich (schmerz@psychol.uni-giessen.de oder Tel. 0641 – 2093302).






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