Die polnischen Bischöfe und auch viele katholische polnische Parlamentsabgeordnete haben es sich so schön vorgestellt: IVF hätte unter Strafe gestellt werden sollen. Eine dahingehende Bürgerinitiative ist jetzt im Parlament gescheitert.
Das von einigen Bischöfen unterstützte Bürgerkomitee “Contra In Vitro” hatte beantragt, die In-vitro-Fertilisation, eine Methode der künstlichen Befruchtung, unter Strafe zu stellen. Jedem, der die Methode bei Frauen anwendet, hätten danach bis zu drei Jahren Freiheitsentzug gedroht. Ebenfalls unter Freiheitsstrafe hätten auch Experimente und Handel mit Embryonen gestanden.
Weil bei der künstlichen Befruchtung auch Embryonen getötet werden können, gehören die polnischen Bischöfe zu den eifrigsten Gegnern der IVF. Sie bezeichnen die In-vitro-Fertilisation als eine Art “Abtreibung”. Wohl auch wegen des Einflusses dieser Bischöfe konnten katholische Laienorganisationen über 160.000 Unterschriften sammeln. Notwendig für eine Bürgerinitiative sind in Polen 100.000 Stimmen.
Laut einer Umfrage für die Tageszeitung “Gazeta Wyborzca” sind aber nur 18 Prozent der Polen gegen die die künstliche Befruchtung, 67 Prozent sind dafür. Dementsprechend entschied sich das Parlament auch mit 244 gegen immerhin 162 Stimmen gegen die Volksinitiative. 10 Parlamentarier enthielten sich der Stimme.
Im Oktober muss sich das polnische Parlament erneut mit der Thematik “künstliche Befruchtung” befassen und über gleich mehrere Gesetzesentwürfe entscheiden. Die rechtsliberale Regierungspartei “Bürgerplattform” beispielsweise will die künstliche Befruchtung nur noch Ehepaaren erlauben und das Einfrieren von befruchteten Eizellen verbieten, die konservative Oppositionspartei “Recht und Gerechtigkeit” will die IVF gleich komplett verbieten.
Der liberalste Gesetzesentwurf stammt von der “Stiftung für Frauen” die von Abgeordneten der Oppositionspartei “Bündnis der demokratischen Linken” unterstützt wird. Er sieht ausschließliche medizinische Einschränkungen vor. Bisher ist die künstliche Befruchtung in Polen uneingeschränkt erlaubt.
Was sagt ihr dazu? Haben die Bischöfe recht, die meinen, Paare die sich für eine IVF entscheiden, behandeln ein Kind “wie einen Gegenstand, den man kaufen kann”? Oder ist das doch eher eine Situation, in der sich auch die gläubigsten Katholiken lieber vom eigenen Gewissen leiten lassen sollen und dürfen, und nicht von Bischöfen?





