Jetzt wird es also langsam Wahrheit, das Baby nach Wunsch, das Designerbaby. Eine kalifornische Fruchtbarkeitsklinik bietet ihren Patienten an, sich die Augen- und Haarfarbe ihres Kindes aussuchen zu können. Angeblich sollen sich auch schon einige Paare gemeldet haben, die interessiert an der Dienstleistung sind – die immerhin etwa 14.000 Dollar kosten soll.
Schon seit einiger Zeit haben die Eltern die Möglichkeit, das Geschlecht ihres Kindes vor der Einpflanzung des Embryos auszusuchen.
Laut Angaben der Klinik haben bereits über 2.400 Paare dieses Angebot angenommen, die Erfolgsrate soll angeblich an die 100% betragen.
Leiter der Klinik ist Dr. Jeff Steinberg, ein Pionier der In-vitro-Fertilisation (IVF).
Er war auch 1978 an der Zeugung des ersten Retortenbabys der Welt beteiligt.
Medizinisch gesehen ist das Verfahren zur Auswahl vergleichsweise einfach.
Per In-vitro-Fertilisation werden mehrere Embryonen erzeugt, denen später jeweils eine einzelne Zelle entnommen wird. Diese Zelle wird dann auf ihre Gene untersucht.
Die Präimplantationsdiagnostik ist in den USA und in Großbritannien erlaubt, um genetische Erkrankungen auszuschließen. In Deutschland ist die PID noch nicht einmal zu diesem Zweck erlaubt. Sie ist nicht mit dem Embryonenschutzgesetz vereinbar.
In London wurde dieses Jahr erstmals ein Mädchen ohne Brustkrebsgen geboren, bei dem durch die PID ein der Gendefekt ausgeschlossen wurde, der für ein höheres Brustkrebsrisiko verantwortlich gemacht wird. Die Eltern hatten es sich so gewünscht, weil in der Familie des Vaters seit mehreren Generationen die Frauen an Brustkrebs erkrankt waren.
Kaum jemand wird bestreiten wollen, dass künstliche Befruchtung ein Segen für kinderlose Paare ist, die auf andere Weise kein Kind bekommen können. Auch die Auswahl der Embryonen vor dem Einsetzen hat seine Vorteile – die Chancen auf eine Schwangerschaft lassen sich so steigern.
Auch erblich bedingte Krankheiten auszuschließen mag sinnvoll sein. Niemand, vor allem keine Eltern, werden abstreiten, dass man seinen Kindern so viel Leid, Schmerzen und Kummer ersparen will wie nur möglich. Gegner des Verfahrens kritisieren allerdings, dass so Leben mit einer Behinderung, einer Krankheit, oder auch nur dem Risiko dafür von Anfang an als nicht lebenswert abgetan wird.
Außerdem: Damit das Auswahlverfahren nötig ist, muss eine vergleichsweise große Anzahl von Embryonen hergestellt werden. Doch was passiert dann mit den überschüssigen Embryonen, die den Ansprüchen der Eltern nicht genügen? Sollen sie ewig im Tiefkühlfach schlummern? Oder werden sie der Forschung zur Verfügung gestellt?
Natürlich ist das Angebot auf weltweite Kritik gestoßen, europäische Mediziner sind ebenso empört wie der Vatikan und auch Vertreter der evangelischen Kirche. Aber ist gerade die Auswahl von Augen- und Haarfarbe wirklich so furchterregend? Es gibt wahrscheinlich kein Paar, dass keine Wunschvorstellungen vom eigenen Kind hat, noch bevor es auf die Welt kommt: “Ach Schatz, stell dir nur vor, wenn es deine grünen Augen hat und meine Locken!”
Es gibt bestimmt Schlimmeres, das man seinem noch ungeborenen Kind antun kann, als sich ein bestimmtes Aussehen zu wünschen. Das bedeutet noch lange nicht, dass das Kind nicht ebenso geliebt wird, wenn es trotz allem braune Augen und schnurgerade Haare hat – aber die 14.000 Dollar sind dann natürlich futsch.
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