Es gibt viele Gründe, warum Paare oder Einzelpersonen keine eigenen Kinder bekommen können. Eventuell liegt es am Sperma des Mannes, vielleicht ist die Frau alleinstehend, oder das Paar besteht aus zwei Frauen. In solchen Fällen ist es für die Betroffenen vorteilhaft, auf eine Samenbank und damit auf Sperma eines Samenspenders zurückgreifen zu können.
Nicht immer aber ist das auch möglich. Dies trifft vor allem alleinstehende Frauen und Frauen in einer lesbischen Partnerschaft. Auch Frauen, die die obere Altersgrenze für eine künstliche Befruchtung überschritten haben, gehen oft leer aus. Dabei sind weniger Gesetze an den Entscheidungen schuld, sondern Richtlinien der Bundesärztekammer.
In Großbritannien hat eine alleinstehende Mutter jetzt ein Unternehmen gegründet, das im Internet Samenspender und Frauen oder Paare zusammenbringt, damit es mit dem Wunschkind doch noch klappt.
Die Gründerin von FeelingBroody.com, Seyi Joseph, machte selbst die Erfahrungen vieler Menschen, die sich ein Kind wünschen, von Untersuchungen und Fruchtbarkeitsbehandlungen bis hin zur künstlichen Befruchtung mit frischem und auch eingefrorenem Sperma – alles natürlich mit hohen Ausgaben verbunden. Nach eigenen Worten will sie, nun glückliche Mutter eines Jungen, auch anderen Menschen das Glück der Elternschaft ermöglichen, und zwar unabhängig von Familienstand oder sexueller Orientierung.
Wer sich auf der Seite anmeldet, kann sich die Profile verschiedener Samenspender ansehen, und sich einen davon aussuchen. Der ausgewählte Spender kann sich dann mit dem Sperma-Empfänger treffen und frisches Sperma abliefern, oder mit der Frau Geschlechtsverkehr haben.
Laut einem Bericht der BBC gibt es einen entscheidenden Grund, warum es solche Angebote gibt: Es gibt in den lizenzierten Fruchtbarkeitskliniken – und davon gibt es Großbritannien immerhin 60 – einfach nicht genügend Sperma. Obwohl die Anzahl der Samenspender im vergangenen Jahr leicht zugenommen hat, liegt sie bei nur rund 380. Laut Schätzungen wären aber 500 nötig, um den Bedarf zu decken.
Das Angebot von www.FeelingBroody.com ist zumindest in Großbritannien vollkommen legal, solange das Unternehmen das Sperma nicht selbst beschafft, testet, vertreibt oder weiterverarbeitet.
Die rechtliche Lage von Vater und Kind ist jedoch unsicher. Ein Mann, der in den Vereinigten Königreichen in einer Samenbank seinen Samen spendet, ist nicht der gesetzliche Vater des Kindes, darf das Kind nicht kontaktieren, hat aber auch keinerlei rechtlichen oder finanziellen Verpflichtungen. Sobald die Kinder 18 sind, haben sie allerdings ein Recht darauf, den Samenspender zu kennen.
Bei der Befruchtung mittels “unlizenzierter” Samenspende ist der Samenspender der gesetzliche Vater des Kindes, vor allem wenn er mit der Frau Geschlechtsverkehr hat, oder wenn die Frau keinen Partner oder Ehemann hat, der der Nutzung der Samenspende zugestimmt hat.
Noch gibt es in Deutschland keine solchen Angebote, aber auch schon die “legale” Befruchtung mit Spendersamen (heterologe oder donogene Insemination) verursacht eine komplexe legale Situation. Ein mit Spendersamen gezeugtes Kind gilt bei uns als legitimes Kind des Ehemanns oder auch des Partners der Frau, der die Vaterschaft anerkannt hat. Das Kind selbst kann die Ehelichkeit aber anfechten, und zwar innerhalb von zwei Jahren nach dem 18. Geburtstag oder nachdem es von den Umständen seiner Zeugung erfahren hat.
Was meint ihr zu dem “britischen Modell”? Könnt ihr euch vorstellen so etwas zu nützen? Und falls ja – wie würdet es ihr eurem Kind erzählen?





