Südkorea hat einer der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Mit durchschnittlich 1,19 Kindern pro Frau werden in Südkorea wirklich sehr wenig Kinder geboren. Das Familienministerium will seine Beamten deswegen in Zukunft früher nach Hause gehen lassen, damit sie mehr Zeit mit ihren Ehepartnern verbringen können – und hoffentlich für einen Anstieg der Geburtenrate sorgen.
Das gute Beispiel des Gesundheitsministeriums, dem über kurz oder lang vermutlich andere Ministerien folgen sollen, besteht darin, dass die Mitarbeiter einmal im Monat – jeden dritten Mittwoch – früher nach Hause gehen sollen. “Früher nach Hause” bedeutet in Südkorea allem Anschein nach “schon um 19 Uhr”, wie die taz berichtet.
Um diese Forderung durchzusetzen werden zukünftig am betreffenden Baby-mach-Tag die Lichter im Ministerium um 19 Uhr ausgeschaltet. Wer trotzdem stur weiterarbeiten will, wird sich eine Taschenlampe mitbringen müssen. Alle anderen gehen nach Hause und sollen sich dort um die Erziehung der bereit vorhandenen Kinder kümmern und den hoffentlich vorhandenen Kinderwunsch verwirklichen.
Die Geburtenrate zu fördern ist für die südkoreanische Regierung, ähnlich wie bei uns, “oberste Priorität”. Das Land sieht andernfalls einer Zukunft entgegen, in der die Gesundheitskosten für die immer älter werdende Bevölkerung explodieren, während die arbeitsfähigen Bevölkerungsanteile schrumpfen.
Außer dem früheren Feierabend gibt es noch andere Förderungsmöglichkeiten: Beamte mit mehr als einem Kind bekommen großzügige Geschenkgutscheine, und das Gesundheitsministerium veranstaltet sogar Partys, bei denen sich die Mitarbeiter kennenlernen und verlieben sollen und so für Nachwuchs sorgen.
Kritiker des Vorhabens sind jedoch der Ansicht, dass die haarsträubenden Kosten der Kinderbetreuung und Erziehung in Südkorea der wahre Grund für die niedrige Geburtenrate sind. Dort sollte also eher angesetzt werden, damit die Menschen sich Kinder wieder “leisten” können.
Ein Artikel der BBC führte zu mehreren Leserkommentaren, die diese Theorie bestärken. Ein Leser schrieb, dass in Südkorea die Kinderbetreuung teurer sein könne als ein Universitätsstudium, so dass Paare gut die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für das Kind ausgeben. Mehr als ein Kind können sich deshalb nur die Reichsten leisten.
Mehrere Leserinnen betonten, dass schwangere Frauen keinen Kündigungsschutz haben und fast immer ihre Arbeitsstelle verlieren, dass es nicht genug öffentliche Betreuungsplätze gebe, und auch der Wohnraum für Familien nicht ausreiche.
Die Probleme sind also eigentlich nicht so verschieden von denen, die wir bei uns in Deutschland haben. Die extrem langen Arbeitszeiten scheinen mir da nicht den Ausschlag zu geben.






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