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Interview: Vaterschaft & Karriere vereinen

Mittwoch, 11.03.2009 von Alexandra

Innovative Unternehmen nutzen die Potenziale aktiver Vaterschaft. Das ist der Untertitel des VäterBlogs von Hans-Georg Nelles, der sich hauptsächlich mit der Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere beschäftigt. Aktuell ist das aber vermutlich mehr Hoffnung als Realität.

Zweifellos sind Frauen im Berufsleben stark benachteiligt, man braucht sich nur die Unterschiede in der Bezahlung anzusehen und die Schwierigkeiten von Müttern, die nach der Erziehungspause wieder in den Beruf zurückwollen.

Interessanterweise geht das aber gleichzeitig mit einer Benachteiligung der Väter einher. Ihnen wird es von Gesellschaft und Wirtschaft auch alles andere einfach gemacht, ihren Teil zur Erziehung der Kinder beizutragen. Den aktuellen Stand der Lage beschreibt Hans-Georg Nelles in seinem VäterBlog.

Wer bezweifelt, dass auch Männer unter der schweren Vereinbarkeit von Berufsleben und Familie leiden, der braucht nur einen Blick auf den VäterBlog zu werfen, um sich eines Besseren belehren zu lassen.

Nelles, selbst Vater von drei erwachsenen Kindern, ist Sozialwissenschaftler und Erwachsenenbildner. Er führt seit 15 Jahren verschiedene Modellprojekte zu dem Thema “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” durch. Seit 2008 ist er als Autor und Organisationsberater freiberuflich tätig. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview mit Hans-Georg Nelles

Was hat Sie dazu bewogen, den VäterBlog zu starten? Wen sprechen Sie damit an, was sind die Inhalte?

Ich beschäftige mich seit 15 Jahren intensiv mit dem Thema und recherchiere auch genauso lange im Internet dazu. Vor knapp drei Jahren habe ich an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der ein Unternehmer über die Möglichkeiten berichtet hat, durch einen Blog Kunden zu erreichen und Themen zu kommunizieren.
Da eines meiner Anliegen war und ist, das Thema Väter in Unternehmen auf die Tagesordnung zu setzen habe ich einfach angefangen zu bloggen. Die Inhalte und Themen richten sich an Väter ebenso wie an Personalverantwortliche in Unternehmen, es geht um gute Beispiele von aktiven Vätern und die Potenziale, die Unternehmen nutzen können, wenn sie aktive Vaterschaft wertschätzen. Ich greife natürlich auch aktuelle politische Themen auf, die Diskussion um das Elterngeld in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz, können Sie in meinem Blog wunderbar nach verfolgen. Inzwischen befinden sich fast 1000 Beiträge im Archiv und nahezu 3000 Besucher lesen täglich den VäterBlog. Das ist Motivation genug für mich weiter zu machen.

Sie haben selbst drei Kinder – war es für Sie schwer, Kinder und Karriere zu verbinden?

Wir haben unsere Kinder während und unmittelbar nach der Ausbildung bzw. dem Studium bekommen, da konnten meine Frau und ich sehr viel entspannter an die Dinge heran gehen und eine Lösung ist immer näher als Mann denkt.
Bei meiner Berufstätigkeit habe ich dann immer sehr großen Wert darauf gelegt, dass ich ein großes Maß an Souveränität darüber behalte, wann und wo ich arbeite. Das war bei Projekten, wo es um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geht natürlich einfacher als vielleicht an anderer Stelle.
Aber aus genau diesem Grund bin ich inzwischen freiberuflich tätig. Meine Frau hat übrigens eine Leitungsfunktion in der Schule.

Gibt es die “neuen Väter” überhaupt? Oder sind es doch nur die alten Väter, die aber gerne zwei Monate lang das Elterngeld beziehen wollen?

Die ‚neuen Väter’ sind ja nicht, wie viele glauben, eine Erfindung der Familienministerin Ursula von der Leyen. Der Begriff ist in den Medien zum ersten Mal im Oktober 1986 aufgetaucht und zwar in der Zeitschrift Brigitte. Die Frauenzeitschrift hat bereits 1976 eine wissenschaftliche Studie zu den Männern in Auftrag gegeben und 1986 eine zweite. Man wollte den Leserinnen ja sagen können, wie diese ticken.
In der zweiten Brigitte Studie sind dann genau die Wünsche aufgetaucht, die ein steigender Anteil von Vätern auch heute äußert: nämlich mehr Zeit für Familie zu haben und sich mehr um Kinder kümmern zu können. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen geändert, es gibt die ‚Väterkomponente’ beim Elterngeld und ein steigender Anteil macht davon Gebrauch. Viele Väter, die zunächst ‚nur’ die im Gesetz vorgesehenen zwei Monate in Anspruch genommen haben und erlebt haben, dass sie diesen Aufgaben durchaus gewachsen sind, werden sich beim nächsten Kind mehr Zeit nehmen. Es wird aber auch darauf ankommen, diesen Vätern nach der Elternzeit, ob sie zwei, vier oder sieben Monate dauert, durch flexible Arbeitsmöglichkeiten Gelegenheit zu geben sich weiterhin so in Familie zu engagieren, wie sie möchten.

Tun sich die Männer schwer damit, Elternzeit zu nehmen? Oder wird es ihnen schwer gemacht?

Das sind meines Erachtens die zwei Seiten der ‚einen Medaille’, ich verwende gerne das Bild der Henne und dem Ei. Viele Väter mit denen ich spreche sagen mir, ‚ich würde ja gerne, aber …’ und Verantwortliche in Unternehmen äußern ‚selbstverständlich, die Angebote die wir haben sind doch auch für Väter gedacht, aber …’.
Ich denke, einer muss anfangen und der Erste hat es vielleicht etwas schwerer als die die ihm nachfolgen können. Aber meiner Erfahrung nach rennen sie, vor allem wenn sie sich Verbündete suchen und ihr anliegen thematisieren, in vielen Betrieben dann offene Scheunentor ein.
Die ‚Hürden’ in Unternehmen sind vielfach geringer als im Freundes- und Verwandtenkreis, und auch in der Partnerschaft kann durch Gespräche und Absprachen viel getan werden, um nicht in die Traditionalisierungsfalle zu tappen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft für berufstätige Väter vor?

Meine Vorstellungen von der Zukunft der Berufstätigkeit sehen so aus, dass sich Väter und Mütter die anfallenden Aufgaben in Erwerbs- und Familienarbeit bewusst und partnerschaftlich aufteilen und dass sich Berufsverläufe an den biografischen Situationen der Väter orientieren. Das bedeutet, dass in der Familiengründungsphase nicht gleichzeitig die Zeit mit den meisten Überstunden anfällt sondern berufliche Entwicklung auch noch mit 40 oder 50 voran gehen kann.

Ist es Ihrer Meinung nach überhaupt finanziell sinnvoll und machbar, wenn Väter länger Elternzeit nehmen?

Ein Wirtschaftsredakteur hat mir vor einigen Jahren die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen damit erklärt, dass die Unternehmen bei den Frauen das ‚Risiko’ haben, dass sie für einige Jahre ausfallen und getätigte Investitionen in Aus- und Weiterbildung nicht so schnell wieder reingeholt werden können. Abgesehen davon, dass ich der Überzeugung bin, das Familienphasen keine Auszeiten sind, in dem Maße wie jetzt auch Väter Elternzeiten in Anspruch nehmen, verteilt sich dieses Risiko’ auf Väter und Mütter. Aus Sicht der Unternehmen macht es dann keinen Sinn mehr Frauen an dieser Stelle zu diskriminieren und in den Partnerschaften kann auf Augenhöhe über die Dauer der Elternzeiten gesprochen werden.

Den VäterBlog von Hans-Georg Nelles finden Sie unter www.vaeter-und-karriere.de/blog/
In Echtzeit kann man ihn unter twitter.com/Vaeter verfolgen.


 

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