Immer mehr wird es der Politik klar, dass die schwere Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit ein Grund für den Geburtenrückgang ist. Die Unternehmen hängen dieser Erkenntnis noch einen Schritt nach und sind bei Arbeitnehmern mit Kindern meist nur besorgt um mögliche Fehlzeiten wegen kranker Kinder oder um den Verlust von Know-how, wenn Eltern in Elternzeit gehen.
Bei den betroffenen Eltern macht sich inzwischen aber endlich die Überzeugung breit, dass sie nicht trotz, sondern gerade wegen ihres Familienstandes wertvolle Mitarbeiter sind. Oder zumindest sein könnten, wenn man sie nur ließe.
Dieser Überzeugung ist auch Martin Honz, der gleich zwei Blogs zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie betreibt. Honz, selbst verheiratet und Vater von zwei Söhnen, ist seit über 15 Jahren in der Medien-/Onlinebranche tätig. Unter anderem war er bei der ProSiebenSat.1 AG für die Konzeption, Umsetzung und redaktionelle Betreuung crossmedialer Online-Projekte, Vermarktungsstrategien und Kooperationen zuständig.
Auf www.familiengruender.de berichtet Honz über seine Erfahrungen als Unternehmensgründer und Vater; seit 2009 betreibt er www.elternjobs.de, wo Eltern Stellenanzeigen von familienfreundlichen Unternehmen finden, aber auch Ratgeber und Service rund um das Thema Wiedereinstieg in das Berufsleben. Zusätzlich testet Honz unter www.elternautos.de Autos auf ihre Familientauglichkeit.
Das Interview mit Martin Honz
Was hat Sie bewegt, Ihr Blog www.familiengruender.de zu starten?
Die ursprüngliche Idee von Familiengründer, war den Aspekt “Firmengründung und Familie” zu beleuchten. Da ich - nach vielen Jahren Angestelltendasein - Lust verspürte mal mein eigener Chef zu sein, gleichzeitig aber auch Familienvater bin. Große Teile der Startup-Szene werden ja von Junggründern ohne Kinder beherrscht und da fand ich es interessant zu sehen, ob die Anforderungen einer Unternehmensgründung mit den Anforderungen einer Familie mit zwei jungen Kindern vereinbar sind. Mit dem Schritt in die Selbständigkeit bin ich nun selbst Familiengründer im doppelten Sinne und das Thema betrifft mich nun auch direkt selbst in meinem täglichen Leben.
Mit der Zeit hat sich der Schwerpunkt dann allgemein zum Thema “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” herauskristallisiert. Vor allem, weil mir u.a. aus der Beschäftigung mit dem Thema die Idee zu www.elternjobs.de gekommen ist (s.u.) und ich wertvolle Artikel und Themen für mich im blog festgehalten und “archiviert” habe.
Worum geht es bei www.elternjobs.de?
Die Idee von Elternjobs.de ist, Unternehmen mit familienorientierter Personalpolitik und Eltern, die gerne (wieder) arbeiten möchten, zusammenzubringen. Firmen, die elternfreundliche Rahmenbedingungen anbieten, wie z.B. Betriebskindergarten, flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing etc. sollen auf der Plattform ihre Stellenanzeigen inserieren. Eltern können sich in den Firmenprofilen einen Überblick verschaffen, welche Unternehmen eine familienorientierte und damit zukunftsweisende Unternehmenskultur haben, Stellenanzeigen durchsuchen oder einen Lebenslauf in unsere Datenbank eintragen.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Eltern (alleine 1,5 Mio. Frauen) gerne arbeiten möchten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, Beruf & Familie unter einen Hut zu bekommen. Zu einem Großteil sind berufstätige Eltern sogar “wechselwillig”, wenn sie eine Position mit besseren Vereinbarkeitskriterien angeboten bekommen. Dabei wären sie sogar mit bis zu 10%igen Gehaltsabschlägen einverstanden.
Die “Familienfreundlichkeit” ist so ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unternehmen beim Recruiting. Leider fehlt vielen Firmen hier noch der Mut, diesen Ansatz so zu sehen.
Stichwort “Erfolgsfaktor Familie” – Was haben Unternehmen davon, gezielt gerade Eltern einzustellen?
Neben dem oben angesprochenen Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung von Mitarbeitern profitieren Unternehmen von einer Reihe weiterer positiver Faktoren. Untersuchungen belegen, dass familenfreundliche Maßnahmen zu einer geringeren Fluktuation und niedrigeren Kosten bei der Elternzeit führen, sprich Wiederbeschaffungs- und Überbrückungskosten fallen niedriger aus als bei Unternehmen ohne entsprechende Rahmenbedingungen. Mitarbeiter und Unternehmen profitieren durch ein besseres Betriebsklima, höhere Motivation und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten, was sich in weniger Fehlzeiten (geringerer Krankenstand, kürzere Elternzeiten) und erhöhter Produktivität widerspiegelt. Neben den “weichen” Faktoren bietet “Familienfreundlichkeit” Berechnungen zufolge so eben auch knallharte betriebswirtschaftliche Vorteile. Außerdem helfen die familienfreundlichen Maßnahmen so, der zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen.
Und nicht zu vergessen: Bei einem statistischen Mittelwert von 1,4 Kinder pro Familie in Deutschland, ist es doch auch taktisch clever, gut qualifizierte Eltern (mit 1 oder mehr Kindern) einzustellen, deren Familiensituation soweit organisiert ist, dass sie schon (wieder) arbeiten können. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit eines längeren “Ausfalls” z.B. wegen Elternzeit sehr gering.
Sie beschäftigen sich ja vor allem auch mit der Vereinbarkeit von Unternehmensgründung und Familie. Sind Eltern die besseren Unternehmer?
Ganz ehrlich glaube ich, dass für gutes und nachhaltiges Unternehmertum nicht zwingend die Eigenschaft “Vater” oder Mutter” die wesentlichen Erfolgskriterien sind. Auf der anderen Seite ändert sich das Leben mit dem Hinzutreten von Kindern massiv und somit auch der Blick auf viele Dinge. Dieser Perspektivwechsel und auch gelebte Elternschaft sind sicherlich einem sozial geprägten Unternehmerideal zuträglich, das Interesse an den Mitarbeitern als Menschen propagiert, und nicht alleine Profit in den Vordergrund stellt. Auch ist es sicherlich für eine unternehmerisch tätige Mutter oder einen Vater einfacher, die Belange von Eltern als Mitarbeiter nachzuvollziehen. Trotzdem möchte ich natürlich keinem Menschen ohne Kinder all diese Fähigkeiten absprechen.
Wie vereinen Sie persönlich Familie und Karriere?
Da ich mir glücklicherweise meine Arbeitszeiten selber einteilen kann und unsere Kinder in Schule und Kindergarten sind, arbeite ich meistens vormittags und abends, so dass ich dann oft nachmittags Zeit für die Kinder habe, wenn nichts Wichtiges anfällt. Außerdem arbeite ich derzeit komplett von zuhause aus, so dass ich auch zwischendurch mal mit Frau und Kindern entspannen kann oder auch bei der Hausarbeit helfe.
Wozu würden Sie Eltern raten – zur Existenzgründung oder doch eher zum klassischen Angestelltendasein? Und wie können Eltern herausfinden, was tatsächlich besser zu ihnen passt?
Ich denke, dass ist eine total individuelle Entscheidung, die man nur herausfindet, wenn man es schafft, tief in sich hineinzuhorchen. Auch wird die Entscheidung durch anderen Rahmenbedingungen mitbestimmt, wie z.B. trägt mein Partner/meine Familie eine gewisse “Durststrecke” mit, wenn ich mich selbständig mache oder wie teile ich mir Erwerbs- und Haushalts-Tätigkeiten mit dem anderen Elternteil auf? Wichtig finde ich, dass man von Zeit zu Zeit “überprüft”, ob die aktuelle berufliche Situation zu den persönlichen Wünschen passt und dann ggf. Anpassungen durchführt, z.B. versucht Teilzeit zu arbeiten, weil man gerne mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte.






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Hallo. Das ist doch mal interessant für jemanden wie mich, der ich seit etwas über einer Woche mit einem gerade geschlüpften Kind auf dem Arm vor dem Rechner sitze und nun Job und Familie unter einen Hut zu bringen versuche. Vorher hat das Thema nicht interessiert, klar. Ich bin dankbar, dass die Düsseldorfer Internetagentur KM2 >> netz:innovationen.gmbh (hier arbeite ich) mich in dieser sehr schönen, aber auch anstrengenden Phase, in der sich alles auf den Kopf stellt, sehr unterstützt. Was man da andererseits im Alltag oder z. B. bei Ämtergängen erlebt, kann da ganz anderes Kaliber haben. Ich erfahre am eigenen Leibe, wie sehr die gegenwärtige Erfahrung mich verändert; und das sind Erfahrungen, die sicher auch im Berufsleben Vorteile mit sich bringen.
Eine Gesellschaft braucht Kinder und Familien, die ihr Leben mit dem Beruf vereinbaren können. Eine Gesellschaft (Unternehmen/Politik), die nicht dafür sorgt oder sorgen kann, unterhöhlt und schadet sich selbst und schiebt eine urmenschliche Verantwortung von sich… Viele Grüße und alles Gute, Nikolai v. Wurzbach