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Sittengefahr Stillen?

Donnerstag, 12.02.2009 von Alexandra

Social Communities wie Facebook, MySpace, StudiVZ, Wer kennt wen oder Lokalisten boomen. MySpace und Facebook sind dabei die Vorreiter der Social Networks. Wer so einem Network beitritt, bekommt eine Profilseite, auf der er so viel Information über sich preisgeben kann wie er will. Auch Fotos können hochgeladen werden.

Diese hochgeladenen Fotos sind Mitgliedern schon in mehreren Fällen zum Verhängnis geworden, etwa wenn potenzielle Arbeitgeber sich im Internet über ihre Bewerber informieren. Stößt ein Arbeitgeber dabei auf Bilder von feucht-fröhlichen Unternehmungen, kann der Traum vom neuen Job zerplatzen wie eine Seifenblase und das Internet wird zur Karrierefalle.

Ein ganz anderes Problem mit ihren Bildern hatte eine junge Frau aus Kalifornien. Die junge Mutter Kelli Roman hatte ein Bild auf ihrer Seite eingestellt, das sie voll bekleidet beim Stillen eines ihrer Babys zeigt. Das Bild war eines Tages einfach verschwunden. Als Kelli Roman bei Facebook nachfragte, wurde sie auf die Nutzungsbedingungen verwiesen: Das Einstellen von obszönen, pornografischen oder sexuell eindeutigen Inhalten ist verboten.

Erzürnt über diese Antwort gründete Kelli Roman eine Facebook-Gruppe mit dem Namen “Hey Facebook, Stillen ist nicht obszön!” Sie verlangt, dass Facebook auch Bilder von stillenden Müttern zulässt und sie nicht weiter als anstößig bezeichnet. Der Gruppe haben sich in kürzester Zeit mehr als 10.000 Mitglieder angeschlossen.

Kelli Roman ist nicht die erste und auch nicht die einzige Mutter, deren Bilder vom Stillen einfach verschwunden sind. Zahlreiche andere Mütter, nicht nur bei Facebook, sondern auch beim Konkurrenten MySpace, laufen beim wiederholten Einstellen der Bilder Gefahr, aus dem Network sang- und klanglos hinausgeworfen zu werden.

Eine kanadische Mutter wurde wegen ähnlicher Bilder von Facebook ausgeschlossen. Als sie nach dem plötzlichen Verschwinden von Bildern eine Erklärung von Facebook verlangte, sei ihr Account plötzlich geschlossen worden. Alle ihre Diskussionsbeiträge zu Themen rund ums Stillen waren ebenfalls verschwunden.

Besonders verärgert sind die stillenden Mütter, weil sowohl Facebook als auch MySpace Stillen als obszön einordnen, während tatsächlich obszöne Inhalte, vor allem Bilder von leicht bekleideten Frauen in eindeutigen Posen, in den Networks allgegenwärtig sind.

Zu einer ungewöhnlichen Protestaktion hat in diesem Zusammenhang die tschechische Internetseite babyweb.cz aufgerufen: zu öffentlichem Stillen. Zahlreiche Mütter folgten dem Aufruf. Sie ließen sich mitten in Prag beim Stillen ihrer Kinder fotografieren.

Ein Sprecher von Facebook wies darauf hin, dass auch Bilder von stillenden Müttern nicht automatisch als obszön gelten, erst wenn die Brustwarze zu sehen sei, würden die Nutzungsbedingungen verletzt. Zudem werde das Unternehmen nicht von sich aus tätig, sondern erst wenn sich andere User über die Bilder beschweren.

Der Harvard-Jurist John Palfrey sieht das Problem mehr bei den Usern: Sie hielten die Social Networks für öffentliche Treffpunkte, mit allen damit zusammenhängenden Grundrechten. Es handele sich dabei um private Websites, “bei denen das Unternehmen König ist”.


 

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