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Antidepressiva in der Schwangerschaft

Mittwoch, 07.10.2009 von Alexandra

Schlechte Nachrichten für depressive Schwangere: Die Therapie mit Antidepressiva kann eventuell das Risiko auf eine Frühgeburt erhöhen. US-amerikanische Fachverbände haben Ärzte dazu ermahnt, Antidepressiva bei Schwangeren zurückhaltend einzusetzen.

Wie das Ärzteblatt berichtet, bezweifeln die American Psychiatric Association und das American College of Obstetricians and Gynecologists, dass eine medikamentöse Therapie in jedem Fall angebracht ist. Die zwei Berufsverbände befürchten durch die Gabe von Antidepressiva Schäden beim sich entwickelnden Kind.

Schon vor mehreren Jahren warnte die FDA, die US-amerikanische Zulassungsbehörde, vor einem erhöhten Risiko von Herz-Fehlbildungen bei Neugeborenen. Die Mütter der betroffenen Kinder waren während der Schwangerschaft mit Paroxetin, einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, behandelt worden. Dies hatte sich in retrospektiven Studien in zwei Ländern ergeben.

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) erhöhen die Konzentration von Serotonin, das oft auch als “Wohlfühl-Hormon” bezeichnet wird. Für viele Arten von Depressionen und anderen seelischen Störungen ist belegt, dass ein erhöhter Serotonin-Spiegel die Symptome deutlich lindert.

Wird eine schwangere Frau mit solchen Medikamenten behandelt, kann es also nach Ansicht der FDA zu Missbildungen am Herzen kommen, und nach Ergebnissen einer dänischen Studie sind auch Frühgeburten und Aufenthalte auf der Intensivstation doppelt so wahrscheinlich wie bei den Kindern unbehandelter Frauen.

Bei retrospektiven Studien wird übrigens von einem bestimmten Zeitpunkt aus in die Vergangenheit geblickt und versucht, die Ursachen für ein bestehendes Ergebnis zu finden. Die Studien sind nur dafür geeignet, Hypothesen aufzustellen, die durch weitere Forschungen, etwa begleitende Studien, belegt oder entkräftet werden. Eine weitere Fehlerquelle ist die Art der Datenerhebung selbst. Die Forscher müssen sich nämlich auf ärztliche Unterlagen oder die Aussagen von Betroffenen verlassen. Unterlagen von vielen Personen können aber inkomplett oder uneinheitlich sein, das Erinnerungsvermögen von Menschen kann schwanken.

Eine depressive Schwangere muss sich also zumindest in den USA demnächst aussuchen, was ihr wichtiger ist: Ihr eigenes Wohlergehen während der Schwangerschaft – wir erinnern uns an die Ratschläge aus vielen Fachbüchern: eine depressive Schwangere ist nicht gut für das Kind – oder ein eventuell normal hohes Risiko für Missbildungen und Frühgeburt.

Wir fänden es gut, wenn erst einmal aussagekräftige Studien zu dem Thema durchgeführt würden, bevor irgendwelche Fachverbände die Pferde scheu machen.


 

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