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Babys im Bauch einfach mal in Ruhe lassen

Dienstag, 23.03.2010 von Alexandra

Schneller, besser, früher – der Leistungsdruck beginnt heute schon für Babys, und zwar sogar schon vor der Geburt. Schon im Mutterleib kann das Baby äußere Einflüsse wahrnehmen, und manchmal versuchen Eltern, schon während der Schwangerschaft das Kind auf Hochleistungen zu trimmen.

Embryos und Föten haben in ihrer gemütlichen Fruchtblase nicht viel zu tun, sollte man meinen. Also warum dem Kind nicht mal ein bisschen Musik vorspielen, um so – vielleicht – irgendwelche Talente zu fördern? “Die Gebärmutter ist das erste Klassenzimmer des Menschen”, zitiert die Welt in ihrer Online-Ausgabe eine Psychologen-Weisheit.

Folgerichtig gibt es verschiedene Programme, die darauf basieren, dem Kind noch während der Schwangerschaft im Mutterleib Musik oder Trommelrhythmen vorzuspielen, oder ihm schon jetzt die Mathematik ans Herz zu legen. Ob das wirklich etwas bringt, ist Ansichtssache. Es gibt zumindest keine verlässlichen Studien, die belegen können, dass dem Baby der Ultra-Früh-Unterricht etwas bringt.

Psychologe Anthony DeCasper hält vorgeburtlichen Unterricht jedenfalls nicht für sinnvoll, und viele Wissenschaftler teilen seine Meinung. Sie bezweifeln vor allem, dass das Kind die so beliebte klassische Musik überhaupt richtig hört. Schließlich wird es sowieso ständig von Dauergeräuschen bombardiert, etwa dem Herzschlag der Mutter, deren Verdauungsgeräusche und das Rauschen des Blutes. Die Lautstärke wird auf etwa 80 Dezibel geschätzt, also etwa dem Lärm eines vorbeifahrenden Autos. Dagegen müsste sich klassische Musik erst mal durchsetzen.

Zum ihrem Glück können die Föten sowieso erst ab dem fünften Monat hören und müssen sich dann erstmal mit dem Lärm anfreunden. Vorher würde das musikalische Bespielen des Bauchs also wohl wenig bringen, und ab diesem Zeitpunkt ist es dem Kind wohl eher lästig. Schließlich hat es sozusagen alle Hände voll zu tun damit, zu wachsen und sich zu entwickeln – ein echter Kraftakt.

Das Kind braucht etwa 20 Stunden Schlaf am Tag, um diese körperliche Höchstleistung bringen zu können – muss man es da wirklich mit Symphonien und Trommelrhythmen nerven? Und um wie viel “besser” muss man Kinder denn machen?

Martin Grunwald von der Universität Leipzig sieht das ähnlich: “Das Streben nach dem Optimum, nach dem Besser-Sein, kann die Schwangerschaft zur Tortur machen.” Viel besser ist es doch, wenn die Mutter einfach versucht, so entspannt wie möglich zu sein, damit es auch ihrem Baby gut geht. Die beste Förderung für das Kind ist es, in der Schwangerschaft gesund zu leben. Gute Ernährung, ausreichend Bewegung und frische Luft, Verzicht auf Nikotin, Drogen (dazu gehört auch Alkohol!) und Stress, das reicht vorerst. Die Förderung kann nach der Geburt noch früh genug beginnen.

Und keine Sorge, langweilig wird es den Kindern auch so nicht: Sobald sie es können, bewegen sie sich nach Lust und Laune, planschen im Fruchtwasser und nuckeln am Daumen. Und wenn der Lärm im Bauch es mal zulässt, mögen sie es auch, wenn die Eltern einfach mit ihm sprechen und ihm Geschichten vorlesen. Einfach so, ohne Hintergedanken.


 

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