Schon seit längerer Zeit wird ein Zusammenhang zwischen Fehlgeburten und der Einnahme von Antidepressiva in der Schwangerschaft vermutet. Bisherige Studien, die zudem überwiegend viel zu klein waren, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Ein Team der Universität von Montréal untersuchte nun die Daten zu Fehlgeburten im Schwangerschaftsregister von Québec. Sie vergleichen über 5.000 Frauen, die einen “klinisch feststellbaren Spontanabort” hatten, mit mehr als zehnmal so vielen Frauen, die ihr Kind bis zur Geburt austragen konnten. Dabei fanden die kanadischen Wissenschaftler heraus, dass 5,5 Prozent der Frauen mit Fehlgeburt und 2,7 Frauen ohne Fehlgeburt während der Schwangerschaft ein Antidepressivum oder mehrere Antidepressiva genommen hatten.
Natürlich können auch andere Faktoren zu einer Fehlgeburt beitragen, beispielsweise chronische Krankheiten, die Einnahme anderer Medikamente als Antidepressiva oder auch der gesellschaftliche und finanzielle Status. Aber auch um diese Faktoren bereinigt, zeigte die Analyse, dass das Einnehmen von Medikamenten gegen Depressionen das Risiko für eine Fehlgeburt um fast 70 Prozent steigert.
Dabei war das Risiko für eine Fehlgeburt bei unterschiedlichen Mitteln unterschiedlich hoch, und bei einer Kombination verschiedener Präparate sogar um 251 Prozent erhöht. Höhere Dosen der Antidepressiva bedeuteten dabei auch ein größeres Risiko.
Die kanadischen Forscher weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass die gefundenen Zahlen keine Schluss darüber zulassen, ob wirklich die Medikamente zu den Fehlgeburten führen. Es könne auch sein, dass die psychische Krankheit selbst ein Risikofaktor für den Spontanabort sei, oder dass es gar noch einen ganz anderen, bisher unbekannten Auslöser für die Fehlgeburten gebe. Aus den Berichten über die Studie geht auch nicht hervor, ob nach Schwangerschaftsdepressionen oder schon vorher bestehenden Depressionen unterschieden wurde.
Ärzte sollten aber auf jeden Fall mit ihren Patientinnen über die eventuellen Risiken eine Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft sprechen. Wie so oft muss hier individuell abgewogen werden, welche Vorgehensweise das größere Risiko birgt, und mit welcher Behandlung sowohl Mutter als auch Kind am besten gedient ist.






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