Schwangere Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Folsäure, einem der Vitamine der B-Gruppe. Wird die Frau, und damit auch ihr heranwachsendes Baby, nicht ausreichend mit Folsäure versorgt, kann es zu Fehlbildungen kommen, vor allem zu Neuralrohrerkrankungen wie der Spina bifida, dem offenen Rücken.
Schwangeren Frauen mit ihrem erhöhten Nährstoffbedarf wird vom Arzt routinemäßig zu einem Folsäure-Präparat geraten, ebenso Frauen, die planen schwanger zu werden. Allerdings nehmen, zumindest wohl in Großbritannien, nicht alle Frauen die entsprechende Menge Folsäure zu sich, oder nehmen sie zu spät ein. Das ist natürlich besonders bei ungeplanten Schwangerschaften der Fall, oder wenn die Schwangerschaft erst spät festgestellt wird.
Ernährungsexperten drängen deswegen jetzt darauf, Brot mit Folsäure anzureichern, damit die Anzahl von Kindern, die mit offenem Rücken zur Welt kommen, gesenkt werden kann. In den Vereinigten Königreichen kommen jedes Jahr zwischen 700 und 900 Kindern mit Spina bifida zur Welt. Bei ihnen hat sich also die knöcherne Wirbelsäule nicht völlig geschlossen, so dass das Rückenmark sich nach außen wölben kann und die Nerven ungeschützt freiliegen. Mit einer ausreichenden Folsäureversorgung in der Schwangerschaft könnte diese Zahl um bis zu 18% gesenkt werden.
Folsäure ist kein sehr seltenes Vitamin, es kommt in vielen grünen Blattgemüsen und anderen Gemüsesorten vor, in Leber, Eigelb, Nüssen und Vollkornprodukten. Es ist allerdings sehr empfindlich und wird durch UV-Strahlung, Sauerstoff, Erhitzen und Kontakt mit Wasser zerstört – der Verlust beim Zubereiten der Speisen ist also groß. Zudem kann der Körper Folsäure nicht speichern, ist also auf die regelmäßige Zufuhr angewiesen – gerade auch im Rahmen der richtigen Schwangerschafts-Ernährung.
Kritiker einer gesetzlich vorgeschriebenen Anreicherung von Mehl mit Folsäure weisen darauf hin, dass dies mit einer Behandlung der gesamten Bevölkerung mit Medikamenten zu vergleichen sei. Zudem gibt es Befürchtungen, dass Folsäure vielleicht das Risiko für Darmkrebs steigern kann.
Dr. Sian Astley vom Institute for Food Research (Institut für Lebensmittelforschung) hält eine gesetzlich verordnete Anreicherung von Mehl mit Folsäure für übereilt. Sie rät dazu, die Erfahrungen aus den USA und aus Kanada abzuwarten. In diesen Ländern wird seit dem Ende der 90-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das für Brot verwendete Mehl mit Folsäure angereichert.





