Japanische Forscher konnten erstmals belegen, was Wissenschaftler schon lange vermuten: Krebszellen können während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden.
Takeshi Isoda von der Universität von Tokio untersuchte mit seinen Kollegen Krebszellen eines Säuglings und stellte fest, das die Zellen mit denen der Mutter genetisch praktisch identisch waren. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass die Zellen im Körper der Mutter entstanden und über die Plazenta auf das Kind übergegangen sind. Das Kind verfügte aber nicht über den Gen-Defekt, der bei der Mutter die Erkrankung ausgelöst hat, es hat die Krankheit also nicht geerbt.
Normalerweise bietet die Plazenta dem Kind einen ausgezeichneten Schutz. Die so genannte Plazentaschranke trennt den Blutkreislauf der Mutter von dem des Kindes, und verhindert so, dass im Blut enthaltene Substanzen auf das Kind übertreten. Zu diesen Substanzen gehören vor allem Krankheitserreger, Drogen und Alkohol allerdings sind plazentagängig. Ebenfalls übertragen werden aber auch bestimmte Antikörper, die das Kind nach der Geburt mehrere Monate lang vor verschiedenen Krankheiten schützen, bis sein eigenes Immunsystem die Aufgabe übernehmen kann.
Die Krebszellen konnten auf den Organismus des Kindes übergreifen, weil ihnen auf dem Weg von der Mutter zum Kind bestimmte, typische Proteine auf der Oberfläche verloren gegangen sind, anhand derer das Immunsystem des Kindes sie hätte erkennen und bekämpfen können. Die Zellen waren also sozusagen “unsichtbar”.
Die japanischen Forscher konnten mit ihrer Untersuchung ein über 100 Jahre altes Rätsel lösen. Seit 1866 gibt es 17 nachgewiesene Fälle der “Ansteckung” eines Kindes mit Krebs durch die eigene Mutter während der Schwangerschaft. Meistens handelte es sich dabei um Melanome oder Leukämien.
Trotzdem gibt es keinen Anlass zur Panik für krebskranke Schwangere: Eine solche Ansteckung ist extrem selten, das Risiko der Übertragung von Krebszellen von der Mutter auf das Kind ist sehr gering, wie auch das Internetportal Netdoktor.de schreibt.
Die Entdeckung gibt allerdings einen wichtigen Hinweis darauf, wie Krebs funktioniert, und dass er sich tarnen muss, um das Immunsystem zu täuschen. Vielleicht kann das eines Tages zum entscheidenden Durchbruch in der Krebsforschung beitragen.





