Ist Stillen doch nicht das Zaubermittel gegen den schwangerschaftsgebeutelten Körper? Jahrelang wurde berichtet, dass Stillen nicht nur die beste Ernährung für das Kind bedeutet, sondern auch für den Körper der Mutter gut ist.
Beim Stillen schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, dass zur Rückbildung der Gebärmutter beiträgt.
Weniger gut sieht es wohl für den Beckenboden aus: Eine Studie der Pflegewissenschaftlerin Heike Klinger scheint zu belegen, das Stillen den Beckenboden stark belastet und ihn erschlaffen lässt.
Für die Studie, die in der Fachpublikation “Die Hebamme” (Ausgabe 21 (4/2008) erscheint, hat Heike Klinger 72 Teilnehmerinnen eines Rückbildungskurses zu Harninkontinenz befragt. Dabei zeigte sich, dass bei voll stillenden Müttern das Risiko eine Harninkontinenz doppelt so hoch ist wie bei nicht stillenden Müttern.
Wer sein Kind mehr als sieben Mal am Tag stillt hat sogar ein auf das dreimal höheres Inkontinenz-Risiko. Bei nur teilweise stillenden Müttern ist das Risiko immerhin noch um das 1,67-fache erhöht.
Die Pflegewissenschaftlerin befragte die Frauen zu bereits bekannten Bindegewebsschwächen, zum Verlauf der Schwangerschaft, zur Geburt und zum Stillen. Dabei zeigte sich, dass besonders Frauen, bei denen auch schon vor oder während der Schwangerschaft Harninkontinenz aufgetreten war, an dem Problem litten.
Klinger weist selbst darauf hin, dass ihre Untersuchung wegen der kleinen Testgruppe eher eine Pilotstudie sei. Sie bestätigt damit aber die Beobachtungen von Hebammen zu einem Thema, das bisher noch wenig wissenschaftliche Beachtung fand.
“Über die Ursachen können wir bislang nur spekulieren”, meint Klinger. Womöglich sorgt der niedrige Östrogenspiegel in der Stillzeit den Beckenboden schlaffer, vielleicht tragen auch die Mütter selbst mit einer den Beckenboden belastenden Stillhaltung zum Problem bei.
Wichtig sei es vor allem, der Entstehung Verschlimmerung der Inkontinenz vorzubeugen. Beckenbodentraining - bereits während der Schwangerschaft – ist dazu sehr geeignet, aber auch eine aufrechte Stillhaltung kann zur Vorbeugung beitragen.
Klinger rät dazu, wegen der Vorteile für das Kind trotzdem nicht völlig auf das Stillen zu verzichten. Außerdem: “Auch Nicht-Stillen schützt nicht vor Harninkontinenz!”





