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Wie bald braucht ein Baby Freunde?

Viele Eltern melden ihre Kinder so bald wie möglich in einer Krabbelgruppe oder Spielgruppe an. Sie wollen ihrem Kind erste soziale Kontakte ermöglichen, damit es schon als Baby Freunde findet und kein Einzelgänger wird. Nur – brauchen Kinder Freunde überhaupt schon so früh?

 

Gerade bei jungen Müttern kann auch teilweise der durchaus gerechtfertigte Wunsch dahinterstecken, endlich mal wieder andere Menschen zu treffen. Schließlich sind immer noch meist sie es, die die meiste Zeit mit dem Kind zuhause verbringen. Sie nehmen gern die Möglichkeit wahr, bei Babyschwimmern und Babyturnen mit anderen Müttern ins Gespräch zu kommen. Die Annahme liegt nahe, dass ein Baby auch gerne andere Babys trifft, vor allem wenn es keine eigenen Geschwister hat.

Tatsächlich kann ein Kind Schwierigkeiten bekommen, wenn es in den Kindergarten kommt und das erste Mal anderen Kindern gegenübersteht. Ein bisschen muss das Sozialverhalten also schon geübt werden, damit das Kind im Kindergarten Freunde findet.

Allerdings ist nicht jedes Kind gleich begeistert, wenn es sich plötzlich in einer Gruppe anderer Kinder wieder findet. Im ersten Lebensjahr sind die Eltern die besten "Spielkameraden", mehr braucht das Kind noch nicht. Interessant werden andere Kinder erst im zweiten Lebensjahr. Vorher sehen sich die Babys zwar gegenseitig beim Spielen zu, aber das Höchstmaß an sozialem Kontakt ist meist dann erreicht, wenn ein Kind ein Spielzeug hat, das das andere Kind haben will. Das gesellige Treffen endet dann durchaus auch in Tränen.

Psychologen sind übrigens der Meinung, dass Kinder besonders dann gut auf andere Kinder zugehen können, wenn sie selbst sicher in der Bindung zu ihren Eltern sind. Im ersten Lebensjahr ist es also wichtiger, an der Eltern-Kind-Bindung zu arbeiten, als dem Kind soziale Kontakte zu ermöglichen, die es vielleicht noch gar nicht will.

Im zweiten Lebensjahr fangen Kinder an, sich auch ein bisschen mit anderen Kindern zu beschäftigen. Sie teilen gelegentlich Spielzeug und plappern vor sich hin. Wirklich miteinander spielen werden Kinder aber meist noch nicht, vielmehr sitzen sie nebeneinander, während jeder mit sich selbst beschäftigt ist.

 

Aber schon in diesem Alter zeigen sich Unterschiede, wie kontaktfreudig Kinder sind und wie gerne sie unter Gleichaltrigen sind. Manche Kinder sind eher ruhig und fühlen sich in einer kleinen Gruppe am wohlsten, andere finden es toll, wenn möglichst viel Trubel ist. Mit ein bisschen Beobachtung finden Eltern schnell heraus, welcher Typ ihr Kind ist.

Natürlich kommt es bei Kindern immer wieder mal zu Streitereien und je nach Temperament auch zu Raufereien und wilden Attacken mit Stofftieren. Trotzdem sollte man sein Kind nicht vom Kontakt mit mindestens einem anderen Kind abhalten. Die Zuwendung zu einem anderen Kind und das Abwenden von den Eltern – zumindest für eine kurze Zeit – ist ein enorm wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsbildung des Kindes.

Als am besten für Kinder hat es sich erwiesen, wenn sie in den ersten beiden Lebensjahren nicht zuviel neue Bekanntschaften machen. Sie spielen und kommunizieren in diesem Alter am liebsten mit vertrauten Personen. Hat ein Kind aber schon einen besonderen Freund, sollte man die zwei auch möglichst oft zusammen sein lassen.

Auf die Frage, ob Freunde für ein kleines Kind nötig sind, kann man also antworten: Ja – aber nicht viele, und nicht zu früh!

 
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