Obwohl Kinder typische Entwicklungsphasen haben, legt jedes Kind dabei sein ganz eigenes Tempo an den Tag. Während sich Kinder gerade am Anfang atemberaubend schnell entwickeln, ist später manchmal keine Veränderung sichtbar – weil sie nämlich zeitweise vorrangig innerlich passiert.
Am sichtbarsten sind immer die körperliche Entwicklung und das Wachstum – Kinder werden größer und schwerer, die Proportionen ändern sich. Ähnlich leicht festzustellen ist die motorische Entwicklung, also die Beweglichkeit. Das fängt schon mit dem ersten gezielten Greifen oder dem Herumdrehen ohne Hilfe an; später kommen dann die Highlights Laufen lernen oder sogar Radfahren.
Auch die Sinne des Kindes entwickeln sich. Anfangs kann der Säugling seine Sinneseindrücke noch nicht einordnen, aber schon bald lernt er, dass sich manche Sachen weich anfühlen und dass er gerne gestreichelt wird. Das Seh- und das Hörvermögen entwickeln sich auch erst allmählich, so hat zum Beispiel erst ein etwa zehn bis zwölf Jahre altes Kind das Gesichtsfeld eines Erwachsenen. Alle Sinne und die Sinneswahrnehmungen entfalten sich am besten, wenn das Kind ausgiebig Gelegenheit hat sie zu verwenden, wenn es also viele unterschiedliche sinnliche Erfahrungen machen kann.
Bei der Sprachentwicklung zeigen sich bei Kindern die stärksten individuellen Unterschiede. Manche Kinder sprechen schon vor dem ersten Geburtstag die ersten Worte, bei anderen dauert es fast zum dritten Geburtstag. Auch die Größe des aktiven Wortschatzes kann enorm schwanken – Sprache verstehen können Kinder aber in der Regel alle gleich gut.
Von außen nicht zu sehen, aber am allerwichtigsten ist die geistige Entwicklung des Babys. Es lernt alle äußeren Eindrücke zu verarbeiten, und sie in Verbindung mit sich selbst zu sehen. Sie beobachten Personen und Vorgänge und spielen sie nach, sie entwickeln ihre Vorstellungskraft und ihre Neugier, und sie stellen fest, dass sie eine eigene Person sind. Die geistige Entwicklung ist eng mit der Entwicklung in den anderen Bereichen verknüpft.
Die Entwicklung des Kindes geht meist nicht schrittweise vor sich, sondern schubweise. Solche Entwicklungsschübe können mit Unruhe und Quengeln verbunden sein. Das liegt daran, dass das Kind sich praktisch über Nacht an eine veränderte Wahrnehmung gewöhnen muss – es ist sich selbst sozusagen fremd geworden und deswegen verunsichert.


