Trotz- und Wutanfälle von Babys können auch für gestandene Eltern furchteinflößend sein. Sie schreien ohne Luft zu holen, und manche werden dabei auch wirklich ohnmächtig. Aber was macht ein Baby so wütend?
Eigentlich kann alles, was nicht nach seinem Willen läuft, ein Baby wütend und sogar aggressiv machen. So weit ist es nicht anders als bei uns Erwachsenen. Der Unterschied ist, dass Erwachsene im Gegensatz zum Baby gelernt haben, ihrer Wut auf angemessene Weise Ausdruck zu verleihen. Ein Baby kann das noch nicht – meist kann es ja noch nicht einmal sprechen.
Zudem haben wir Erwachsene Strategien entwickelt, mit unserem Zorn fertigzuwerden. Auch das kann ein Kind noch nicht, es kann eben nur schreien. Erwachsene können sich ablenken oder sich selbst damit trösten, dass das Lieblingseis vielleicht jetzt gerade ausverkauft ist, aber man zuhause ja noch eine Packung der zweitliebsten Eissorte im Kühlschrank hat.
All das können keine Kinder noch nicht. Sie wollen etwas, und sie wollen es jetzt. Sie können ihre Bedürfnisse noch nicht auf später verschieben, und sie wissen auch noch nicht dass es Alternativen gibt – dass also Wunsch A nicht zu erfüllen ist, aber sie vielleicht anstelle dessen etwas anderes bekommen können.
All diese Strategien hat ein Baby noch nicht – es hat nur die Möglichkeit zum Wutanfall. Das ist besonders der Fall, wenn es den Eindruck hat, dass die Umwelt seine Freiheit - die es ja gerade entdeckt – einschränkt, wenn ihm die Eltern also etwas verweigern. Ein Baby versteht einfach noch nicht, dass es das Pony des Nachbarn mit in den Urlaub nehmen kann. Es versteht nur, dass ihm sein Wunsch verweigert wird.
Pädagogen raten dazu, solche Wutanfälle nicht als gegen die Eltern gewendet zu verstehen, sondern vielmehr als Zeichen der stetigen Entwicklung des Kindes zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Das wird sicherlich nur Eltern mit Nerven wie Drahtseilen leicht fallen.
So schwer es ist, Eltern müssen diese Phase der Kindheit einfach hinnehmen. Am meisten helfen sie dem Kind, wenn sie ihm täglich vorleben, dass man bei solchen überwältigenden Erfahrungen Kompromisse schließen und Alternativen finden muss.
Strafen sind völlig ungeeignet. Kinder lernen dadurch nicht, ihrem Ärger angemessen Ausdruck zu verleihen. Wenn Kinder ihre Wut immer nur hinunterschlucken, kann das in späteren Jahren sogar zu Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen führen.
Nach dem aufwühlenden Wutausbruch brauchen Kinder Trost und Nähe. Sie dürfen keinesfalls das Gefühl bekommen, dass sie weniger geliebt werden, wenn sie wütend sind. Nur wenn sie wissen, dass es in Ordnung ist, wütend zu sein und diese Wut auch zu äußern, können sie lernen ihre Wut in angemessener und konstruktiver Weise auszudrücken.


