Direkt mit der Geburt beginnt die geistige und emotionale Entwicklung des Kindes. Seine Sinne liefern ihm Eindrücke der Welt, und das Kind muss sich damit auseinandersetzen. Zudem muss es seine Bedürfnisse, wie Hunger, Zuwendung oder Schlaf, einordnen und mitteilen können.
Babys stellen schon mit wenigen Monaten fest, dass manche Ereignisse mit ihrem Verhalten zusammenhängen und sie, wenn das Ereignis angenehm war, es wieder veranlassen können. Das ist eine enorme Geistesleistung.
Sie müssen auch sich selbst und ihre Eltern kennenlernen. Durch Sehen, Hören, Tasten, Schmecken und Riechen bildet es sich ein Bild von sich selbst und seiner Umwelt. Es gewinnt langsam auch eine Vorstellung von seinen Eltern, aber kann sich noch nicht für längere Zeit abspeichern.
Bis zum Alter von acht Monaten existiert für ein Baby nur das, was es gerade sieht. Wenn etwas nicht mehr zu sehen ist, ist es einfach weg. Das gilt für ein heruntergefallenes Stofftier ebenso wie die Mutter, die aus dem Zimmer geht. Erst nach diesem Alter weiß das Kind, dass Menschen und Gegenstände noch da sind, auch wenn es sie nicht sehen kann: Es beginnt zu suchen.
Ähnlich ist es mit Gefühlen – auch die muss das Baby erst lernen. Im Mutterleib hatte das Baby schließlich keinen Anlass für Wut oder Trauer. Diese Emotionen lernt das Kind erst durch Erfahrung kennen. Anfangs kann das Kind nur zwischen Behagen und Unbehagen unterscheiden.
Aber von Anfang an kann ein Baby sein Vergnügen ausdrücken, ebenso wie Interesse oder Ekel. Ab einem Alter von etwa sechs Wochen ist einem Baby am Gesichtsausdruck deutlich abzulesen, dass es sich freut, wenn sich die Eltern mit ihm beschäftigen.
Auf die Gefühlsregungen anderer Menschen reagieren Babys sehr genau, auch wenn sie selbst die Gefühle noch gar nicht kennen. Babys schauen beispielsweise viel lieber in fröhliche Gesichter als in wütende, und lassen sich von den Gesichtsausdrücken anstecken. Sie reagieren auch mit Vergnügen und Freude, wenn die Eltern mit ihm spielen.
Gefühle, wie auch Erwachsene sie verstehen, entwickeln Kinder erst zwischen dem vierten und dem sechsten Lebensmonat. Furcht und Ärger. Viele empfinden in diesem Alter zum ersten Mal Furcht: Sie fühlen sich in Gegenwart fremder Personen unwohl und beginnen zu fremdeln. Meist früher als die Furcht von unbekannten Menschen lernen Babys Ärger kennen – den empfinden sie, wenn etwas nicht so läuft wie sie es sich vorstellen.
Wenn das Baby zum ersten Mal so starke unangenehme Gefühle verspürt, braucht es die Hilfe seiner Eltern. Es kann sich nämlich noch nicht selbst trösten oder beruhigen. Wenn es in den ersten Monaten in solchen Situationen aber immer den nötigen Trost und die nötige Nähe bekommt, fühlt es sich sicher und geborgen. So kann es dann nach und nach immer besser selbst mit seinen Gefühlen zurechtkommen, sich selbst beruhigen oder ablenken.


