Im Normalfall entwickeln sich bei allen Kindern die Fähigkeiten in einer bestimmten Reihenfolge. Die Geschwindigkeit der Entwicklung kann sich zwar von Kind zu Kind extrem unterscheiden, die Reihenfolge der Entwicklungsschritte ist allerdings vorgegeben.
Die Entwicklung unterschiedlicher Bereiche kann bis zu einem gewissen Maße unterschiedlich sein, so kann ein Kind schon gut laufen, spricht aber noch nicht, während das andere schon fröhlich vor sich hinplappert, aber gerade erst mal das Aufsetzen gemeistert hat. Die Entwicklungsschritte auf einem bestimmten Bereich jedoch folgen einem festen Schema. Die Reihenfolge der Entwicklungsschritte Aufsetzen – Aufstehen – Gehen ist beispielsweise universell, da die Fähigkeiten aufeinander aufbauen.
"Verpasst" ein Kind einen Zeitpunkt, an dem es eine bestimmte Entwicklung vollzogen haben sollte, kann es sich unter Umständen um eine Entwicklungsverzögerung handeln. Entwicklungsverzögerungen kann es in allen Bereichen der Entwicklung geben, also in der motorischen (alle Bewegungsabläufe betreffend), der sprachlichen, der kognitiven (das Denken betreffend), der emotionalen (die Gefühle betreffend) und der sozialen (den Umgang mit anderen betreffend) Entwicklung.
Die unterschiedlichen Entwicklungsbereiche hängen eng zusammen. So ist beispielsweise das Hören und Verstehen eine unablässige Vorbedingung für eine gute Sprachentwicklung, und das gezielte Greifen hängt natürlich auch vom Sehvermögen ab. Ein gestörtes Hörvermögen kann daher eine Verzögerung der Sprachentwicklung verursachen. Die Sprachentwicklung kann aber genauso gehemmt werden, wenn die Eltern nicht genug mit ihrem Kind sprechen. In beiden Fällen mangelt es dem Kind im Endeffekt an äußeren Reizen. Durch die beeinträchtigte Kommunikation kann es dann eventuell auch noch Probleme in der sozialen Entwicklung geben.
Entwicklungsverzögerungen können zahlreiche Ursachen haben, beispielsweise eine Gehirnschädigung des Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in der frühesten Kindheit, angeborene Erkrankungen des Nervensystems oder traumatische Erlebnisse. Die Entwicklung eines ansonsten gesunden Kindes kann aber auch leiden, wenn es zu wenigen Reizen ausgesetzt wird, oder wenn es keine Erfahrungen machen und verarbeiten kann oder wenn die Eltern keine stabile Gefühlsbindung zu ihrem Kind aufbauen. In drei Viertel aller Fälle ist jedoch medizinisch keine Ursache festzustellen.
Für Eltern ist es oft nicht einfach, die Entwicklung des Kindes zu beurteilen. Besser als Vergleiche mit anderen Kindern aus der Bekanntschaft oder der Krabbelgruppe ist es, den Kinderarzt zu fragen. Er kann beurteilen, ob sich das Kind einfach in seinem eigenen Tempo entwickelt oder ob eine echte Entwicklungsverzögerung vorliegt. Falls wirklich eine Störung vorliegt, kann sie oft behandelt werden, wenn sie nur rechtzeitig genug entdeckt wird.


