Trotz aller Kritik von Kindergarten-Skeptikern: Kindergärten sind keineswegs Kinderverwahranstalten, in denen Kinder morgens abgegeben und mittags oder abends abgeholt werden. Es gibt die verschiedensten Ausrichtungen, ob es sich nun um einen ganz normalen oder einen integrativen Kindergarten handelt, in dem auch Kinder mit Behinderungen und Entwicklungsstörungen betreut werden. In einem Bewegungskindergarten gibt es ein besonders großes Angebot an Sportmöglichkeiten, in einem Waldkindergarten sind die Kinder praktisch den ganzen Tag im Freien.
Viele dieser anfänglich misstrauisch beäugten Ideen haben sich inzwischen so etabliert, dass sie zumindest teilweise auch in vielen anderen Kindergärten verwirklich werden. Außerdem lehnen sich viele Kindergärten an das pädagogische Konzept der Waldorf- und der Montessori-Kindergärten an, ohne sich deswegen speziell als ein solcher Kindergarten zu bezeichnen.
Ein Waldorf-Kindergarten richtet sich nach den Lehren des Anthroposophen Rudolf Steiner (1861 – 1925). Besonderen Wert legt die Waldorfpädagogik auf die Förderung der Fantasie und der musischen Neigungen und Talente der Kinder. Spielzeug ist hauptsächlich aus natürlichen Materialien, die Räume werden von warmen Farben beherrscht.
Wichtig ist in diesem pädagogischen Ansatz das kindgerechte Lernen durch Nachahmung, ein klar strukturierter Ablauf von Tagen, Wochen und Monaten und ein starker Bezug zu den Jahreszeiten. Ein festgelegtes Programm gibt es im Waldorf-Kindergarten allerdings nicht, jeder Erzieher kann und soll die Erziehung der Kinder eigenständig gestalten.
Eine strenge Auslegung der Waldorf-Pädagogik vermeidet auch Computer, Fernsehen und viele andere Erscheinungen des modernen Lebens. Kritiker bemängeln dies oft als nicht zeitgemäß.
Die Montessori-Kindergärten stützen sich auf die Ärztin Maria Montessori (1870 – 1952). Sie war überzeugt davon, dass Kinder sich am besten entwickeln und am schnellsten lernen, wenn man sie selbst entscheiden lässt womit sie sich beschäftigen. Der oberste Montessori-Grundsatz lautet: "Hilf mir, es selbst zu tun". Dementsprechend geben die Erzieher in Montessori-Kindergärten den Kindern keine Tätigkeiten vor, sondern beobachten und unterstützen sie nur. So sollen Kinder im Montessori-Kindergarten zur Selbständigkeit erzogen werden.
Spezielle Montessori-Materialien und eine besonders auf Kinder ausgerichtete Umgebung spielen bei der Montessori-Pädagogik eine große Rolle. Beispielsweise sind die Möbel nicht nur auf die Körpergröße der Kinder abgestimmt, sondern auch so leicht, dass Kinder sie selbst dahin tragen können, wo sie wollen. Die Montessori-Materialien erfüllen bestimmte Aufgaben, so gibt es Perlenketten für die Mathematik oder Nagelbretter für Geometrie. Kritiker bemängeln, dass diese Materialien nicht mehr zeitgemäß seien.


