Der autoritäre Erziehungsstil besteht aus häufigem Zurechtweisen und Tadeln, aus Anordnungen und Befehlen. Das Kind bekommt kaum die Möglichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen, zwischen Eltern und Kind besteht ein klares Machtgefälle.
Der Erziehungsstil vermittelt durch seine feste Linie eine gewisse Sicherheit, beruht aber mehr auf Belohnung und Strafe als auf Kommunikation und Einsicht. Ein eigenverantwortliches Verhalten ist wenn überhaupt erst dann möglich, wenn der Erzieher in den Hintergrund tritt.
Eine Kommunikation zwischen dem Kind und dem Erzieher ist beim autoritären Erziehungsstil nicht vorgesehen. Erklärungen, warum ein Verhalten verlangt wird, gibt es nicht. Die klassische Aussage ist: "Du machst das, weil ich es dir sage!" Hinterfragen der Autorität ist nicht erwünscht und zieht oft genauso harte Strafen nach sich wie Ungehorsam oder Regelverstoß.
Ein wichtiger Bestandteil des autoritären Erziehungsstils ist die ständige Kontrolle des Kindes durch den Erzieher. Dies kann einer der Gründe sein, warum ein Ergebnis der autoritären Erziehung mangelndes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstständigkeit sind. Dies wird noch dadurch verschärft, dass Eigeninitative und Neugierde nicht ermutigt werden.
Kritiker bemängeln zu Recht, dass dieser Erziehungsstil nicht das Ziel der modernen, westlich orientierten Erziehung fördert, nämlich eine mündige und eigenständig handelnde Persönlichkeit. Auch die Verwendung von harten, teilweise körperlichen Strafen, wird heute zum großen Teil abgelehnt.
Schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte der Sozialpsychologe Kurt Lewin fest, dass dieser Erziehungsstil bei Kindern zur Auflehnung gegen die Erziehungsperson und zu mangelndem Sozialverhalten führt.
Als Ergebnis der autoritären Erziehung soll auch eine "autoritäre Persönlichkeit" entstehen können. Eine solche Persönlichkeit zeigt Einstellungen und Eigenschaften, aus denen antidemokratische und faschistische Verhaltensweisen entspringen können. Auch deshalb hat seit der Nachkriegszeit der autoritäre Erziehungsstil, den viele Eltern an die Nazizeit mit dem vom Staat geforderten absoluten Gehorsam erinnerte, immer mehr an Boden verloren.
Auch die Generation der 68er lehnte die autoritäre Erziehung strikt ab, und wandte sich stattdessen der antiautoritären Erziehung zu.


