Beim Laissez-Faire-Erziehungsstil bleibt das Kind so gut wie sich selbst überlassen. Es bekommt zwar keine Befehle und wird nicht getadelt, aber auch sonst bekommt es kaum Verhaltensrichtlinien.
Hintergrund dieses Erziehungsstils, der seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch als Antipädagogik bezeichnet wird, ist die Überzeugung, dass die Erziehung eines Kindes nicht nur mit der Menschenwürde unvereinbar, sondern sowieso auch unnötig ist.
Antipädagogen sind der Meinung, das Erziehung nicht nur das Verhalten der Erzogenen, sondern vor allem auch ihr Denken verändern soll. Sie stoßen sich vor allem auch daran, dass bei der Erziehung nicht beide Seiten gleichberechtigt sind, sondern dass der Erzieher als Machtperson versuche, die Seele seines Zöglings zu "bekehren". In einer gleichberechtigten Situation würde man immer versuchen, das Gegenüber zu überzeugen.
Anders als die antiautoritäre Erziehung kennt die Antipädagogik aber durchaus Grenzen für die Kinder. Grenzen, die dem Kind gesetzt werden, damit es die Freiheit anderer nicht beeinträchtigt, werden akzeptiert. Abgelehnt werden alle Verbote, die nicht schlüssig dem Schutz des Kindes dienen und die das Kind nicht verstehen kann.
Vertretbar wären also etwa Verbote wie "Trete nicht nach mir, das tut mir weh", weil des die Freiheit (in diesem Fall die Schmerzfreiheit) der Person schützt. "Klettere nicht auf den Baum, du kannst herabfallen und dir wehtun" wäre eines der Verbote, die von der Antipädagogik nicht unterstützt werden. Das Kind kann das Verbot in Abwesenheit des Erziehers leicht umgehen, und das Verbot weckt auch nicht das Verständnis des Kindes für die Gefahr.
Großen Wert legt die Antipädagogik auf Demokratie und Eigenverantwortung. Diese Werte sollen den Kindern vorgelebt werden.
Der Laissez-faire-Erziehungsstil darf jedoch nicht mit dem "vernachlässigenden Erziehungsstil" gleichgesetzt werden. Dabei üben die Eltern nicht nur keine Kontrolle aus, sondern fühlen sich in keiner oder nur sehr geringer Weise für ihr Kind verantwortlich. Sie investieren nur minimale Zuwendung in ihr Kind.
Als Ergebnis der Vernachlässigung sind Kinder oft in ihrem Bindungsverhalten gestört, in ihrem Selbstwertgefühl beeinträchtigt und weisen Defizite in ihrer intellektuellen Entwicklung und in ihrer Selbst- und Aggressionskontrolle auf.
Ebenfalls völlig anders ist der permissive Erziehungsstil. Bei dieser Art der Erziehung gibt es kaum Grenzen, Kontrollen oder Bestrafungen. Die Erziehenden nehmen fast jedes Benehmen ihrer Zöglinge hin, oft aus Angst, das gemaßregelte Kind würde sie dann nicht mehr lieben. Strafen werden oft deshalb nicht verhängt, weil die Eltern Angst haben, das Kind würde dann in noch extremerer Form rebellieren. Als Ergebnis dieser Erziehung haben Kinder möglicherweise weniger Impulskontrolle und sind oft auch relativ unreif in ihrem Handeln und Denken.


