Jede junge Mutter hat einige Fragen zum Stillen. Oft traut sie sich nicht, diese Fragen zu stellen, vielleicht aus Angst, nicht ernst genommen zu werden. Dafür gibt es aber gar keinen Grund! Viele der Fragen tauchen immer wieder auf, und Hebammen und Stillberaterinnen können sie meist im Schlaf beantworten.
Die häufigsten Fragen beschäftigen sich mit dem ersten Anlegen des Babys, mit wunden Brustwarzen und mit der Frage nach der Milchmenge. Andere Fragen, beispielsweise nach dem idealen Still-Ort, lassen sich kaum allgemeingültig beantworten – Stillen ist eine sehr individuelle Angelegenheit.
Prinzipiell gilt: Es gibt keine dumme Frage zum Stillen! Jede Frage verdient eine Antwort. Nur so kann die Mutter ihr Kind zuversichtlich stillen, in dem Wissen, das Beste für ihr Baby zu tun. Das Stillen ist viel zu wichtig, als dass man es sich von Unsicherheiten verderben lassen sollte.
Wann soll ich das Baby zum ersten Mal anlegen?
Direkt nach der Geburt! Zu diesem Zeitpunkt ist das Kind hellwach, und der Saugreflex ist stark. Wird das Baby dann gleich auf den Bauch der Mutter gelegt, so dass es ihren Geruch wahrnehmen kann, dann sucht es von selbst gleich nach der Brust und beginnt zu saugen. Das ist der bestmögliche Beginn für eine problemlose Stillzeit.
Aus diesem Grund kommt es gelegentlich auch vor, dass das Stillen nach einem Kaiserschnitt etwas holpriger in Gang kommt. Aber auch diese Probleme können mit Hilfe einer Hebamme oder Stillberaterin meistens gelöst werden.
Warum nimmt mein Neugeborenes ab?
Das ist in den ersten paar Tagen völlig normal. Das Baby verbraucht in dieser Zeit die Fettreserven, die es vor der Geburt angelegt hat. Der Gewichtsverlust kann bis zu zehn Prozent seines Geburtsgewichtes betragen, und ist in diesem Rahmen nicht besorgniserregend. Den Gewichtsverlust haben die meisten Kinder innerhalb von zwei Wochen aber wieder ausgeglichen und nehmen dann zwischen 100 und 200 Gramm wöchentlich zu.
Wie kann ich die Milchbildung anregen?
Am effektivsten wird die Milchbildung durch häufiges Anlegen angekurbelt. Je mehr das Baby trinkt, desto mehr Milch stellt der Körper der Mutter zur Verfügung. Das heißt natürlich nicht, dass das Baby alle zehn Minuten angelegt werden soll. Nur wenn die Milch wirklich nicht reichen sollte, sollte der Säugling auch mal zwischen seinen Hungerzeiten angelegt werden.
Die Milchbildung wird unterstützt durch eine ausgewogene Ernährung und vor allem auch ausreichendes Trinken. Umstritten ist die Wirksamkeit von speziellen Tees, die die Milchbildung anregen sollen. Viele Hebammen empfehlen sie trotzdem, um so den Stillenden das Gefühl der Hilflosigkeit nehmen. Oft reicht dann schon das beruhigende Gefühl, etwas für das Kind zu tun, damit die Milchbildung in Gang kommt.
Ich habe wunde Brustwarzen, was kann ich dagegen tun?
Am schnellsten heilen wunde Brustwarzen ab, wenn man sie nach dem Stillen mit den letzten paar Tropfen Muttermilch vorsichtig einreibt und an der Luft abtrocknen lässt. Überhaupt sollte so viel Luft wie möglich an die Brustwarzen gelangen. Vermeiden sollte man unbedingt zu häufiges Waschen mit zu heißem Wasser. Heilsalben sind unpraktisch, weil sie vor dem nächsten Stillen entfernt werden müssen, was die Brustwarzen zusätzlich reizt.
Oft liegt das Wundwerden der Brustwarzen daran, dass das Kind nicht den Warzenvorhof mit in den Mund nimmt. Saugt es wirklich nur an der Brustwarze, wird sie dadurch stark gedehnt und belastet.
Wie oft soll ich mein Kind stillen?
So oft es Hunger hat! Das kann an einem Tag übrigens durchaus zehn oder zwölf Mal sein. Es kann einige Wochen dauern, bis sich ein fester Rhythmus eingependelt hat. Auf jeden Fall sorgt gerade am Anfang das häufige Anlegen für eine ausreichende Milchproduktion. Die Brust produziert dann immer so viel Milch, wie das Kind benötigt.
Wie lange dauert das Stillen?
Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich, und ändert sich auch mit der Zeit. In den ersten Tagen dauert es meist nur etwa fünf Minuten pro Brust. Wenn das Baby dann später bis zu zehn Minuten an jeder Brust trinkt, haben sich die Brustwarzen meist auch schon an die Belastung gewöhnt. Die meiste Milch, an die 90%, trinkt ein Kind in den ersten acht bis zehn Minuten. Manche Säuglinge lassen sich aber trotzdem gerne eine halbe oder sogar eine Stunde Zeit bei der Mahlzeit.
Muss ich meine Brust wirklich vor dem Stillen waschen?
Nein. Viele Stillende wurden sogar noch in den siebziger Jahren dazu angehalten, ihre Brust vor jeder Stillmahlzeit zu waschen oder sogar zu desinfizieren. Das ist natürlich vollkommen unnötig und kann die Brust, vor allem die Brustwarzen, reizen. Der fremde Geruch kann das Baby sogar so irritieren, dass es nicht trinken will, weil es einfach den Geruch der Mutter braucht.
Was ist der ideale Ort zum Stillen?
Das Praktische am Stillen ist ja, dass es überall ohne Vorbereitung geht. Für Mutter und Baby ist es aber meist angenehmer, es in einer ruhigen und entspannten Situation zu tun. Gerade wenn das Kind sehr langsam trinkt, ist eine angenehme Körperhaltung wichtig. Außerdem fließt die Milch besser, wenn die Mutter entspannt und nicht nervös ist.
Manche Babys lassen sich sehr leicht irritieren, so dass sie aufhören zu trinken, wenn sie plötzlich ein unbekanntes Geräusch hören oder ein unbekanntes Gesicht sehen. Für den "Hausgebrauch" ist es also am praktischsten, wenn beispielsweise immer im gleichen Sessel gestillt wird. Nach einiger Zeit sind Mutter und Kind aber ein eingespieltes Team, so dass das Stillen auch in aufregenderen Situationen problemlos klappt.
Was ist die richtige Haltung beim Stillen?
Das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Die grundsätzlichen Stillpositionen sind Sitzen und Liegen. Es dauert einige Zeit, bis man die Stillposition gefunden hat, die Mutter und Kind am meisten behagt. Manche Frauen stillen generell im Sitzen, andere lieber im Liegen. Sehr wichtig ist beim Stillen im Sitzen eine feste Stütze im Rücken. Viele Stillende finden es bequem, wenn sie beim Stillen die Beine hochlegen können.
Das Kind muss nahe an den Körper gezogen werden, mit dem Mund auf Höhe der Brustwarze. Es sollte Bauch an Bauch mit der Mutter liegen. Ist diese Position unangenehm, zum Beispiel nach einem Kaiserschnitt, dann kann das Baby auch von der Seite aus angelegt werden. Dabei liegt sein Körper links oder rechts neben dem der Mutter.
Ganz gleich ob im Sitzen oder im Liegen: Das Kind muss an die Brust geholt werden, nicht die Brust zum Kind geführt. So lassen sich viele Fehlhaltungen und Verspannungen vermeiden.


