Die meisten Frauen leiden ein paar Tage nach der Entbindung unter Stimmungsschwankung und depressionsähnlichen Zuständen, die früher Wochenbettdepression hießen und heute Baby-Blues genannt werden. Ärzte nennen es auch postpartales Stimmungstief (postpartal = nach der Geburt).
Diese Stimmungsschwankungen werden von der hormonellen Situation nach der Geburt ausgelöst, sind also ganz normal und verschwinden in den allermeisten Fällen auch von selbst wieder.
Diese milden Verstimmungen treten meist ein bis zwei Wochen nach der Geburt auf und dauern drei bis fünf Tage. Typische Symptome sind Traurigkeit, häufiges Weinen, Erschöpfung, Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.
Gravierender als dieses Stimmungstief ist die postpartale Depression (PPD) oder auch Wochenbettdepression. Sie entwickelt sich unauffällig im Laufe der ersten zwei Jahre nach der Geburt des Kindes. Typische Symptome für die PPD sind neben Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Schuldgefühlen und Hoffnungslosigkeit gerade auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle, Herzbeschwerden, Schwindel und Zittern. Häufig hegt die Frau auch Tötungsgedanken, bezogen auf sich selbst oder auch auf das Kind. Häufig wird die postpartale Depression erst anhand der körperlichen Symptome erkennt. Bis zu 20% aller Gebärenden und auch knapp 4% der Väter leiden an diesen Depressionen.
Die schlimmste der postpartalen Stimmungskrisen ist die postpartale Psychose. Sie zeigt sich als Manie, Schizophrenie oder Depression oder als eine Mischform daraus.
Die Auslöser der postpartalen Stimmungskrisen sind häufig die Erschöpfung nach der Geburt, die körperlichen – vor allem hormonalen – Veränderungen, psychische Ursachen (die Konfrontation mit einer völlig neuen Lebenssituation) oder auch die Erfahrung, dass das von der Gesellschaft hochgehaltene Bild der strahlenden jungen Mutter sich nicht mit der eigenen Erfahrung deckt. Auch traumatische Erfahrungen, wie beispielsweise durch Vergewaltigung, können die Stimmungskrisen verursachen.
Die betroffenen Frauen leiden meist sehr unter ihrer Erkrankung, noch verstärkt durch die mangelnde Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden. Der Ratschlag "Freu dich doch, du hast so ein süßes Baby!" hilft in einer solchen Situation gar nichts, auch wenn er noch so gut gemeint ist. Mit ärztlicher Hilfe und eventuell einer entsprechenden Therapie stehen die Heilungschancen allerdings sehr gut, und die Depressionen klingen bei fast 100% der Betroffenen ab.


