In großen Teilen der Welt ist die Hausgeburt immer noch die normale Geburtsart, und auch bei uns war sie das bis vor etwa 100 Jahren. Erst als Krankenhäuser mehr die Regel als die Ausnahme wurden, kam die Geburt zu Hause sozusagen aus der Mode.
Heute kommen in Deutschland die meisten Kinder immer noch im Krankenhaus auf die Welt, schon weil die meisten Eltern das Gefühl haben, dass in einem Krankenhaus die Geburt am sichersten ist. Aber die Zahl der Eltern, die eine alternativen Geburtsort suchen, wächst seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stetig wieder an.
Viele Eltern bezweifeln, dass ein Krankenhaus immer und unbedingt der beste Ort für eine Geburt ist. Sie wollen ihr Kind nicht schon direkt nach der Geburt dem Stress und den potenziellen Krankheitserregern im Krankenhaus aussetzen.
Zunehmend wird die Schwangerschaft aber auch wieder als natürlicher Vorgang wahrgenommen und nicht als Krankheit, bei der man unbedingt in die Klinik muss. Deshalb wünschen sich viele Schwangere die vertraute Umgebung der eigenen Wohnung, um in angenehmer Umgebung entbinden zu können.
Werdende Mütter sind auch oft von der "Öffentlichkeit" einer Entbindung im Krankenhaus abgestoßen. Sie bevorzugen für die Geburt eine persönlichere und intimere Situation. Zudem kann die Hausgeburt zusammen mit der Hebamme meist ganz nach den persönlichen Wünschen vorbereitet und durchgeführt werden.
Vom medizinischen Standpunkt aus ist gegen Geburten außerhalb eines Krankenhauses generell nichts einzuwenden, solange es sich um eine problemlos verlaufende Schwangerschaft handelt. Bei Risikoschwangerschaften wird keine Hebamme eine Hausgeburt befürworten.
Steht fest, dass eine problemlose Spontangeburt nicht zu erwarten ist, kommt eine Hausgeburt grundsätzlich nicht in Frage. Das bedeutet, dass bei Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften Hausgeburten ebenso wenig durchgeführt werden wie bei Gestosen oder bei problematischen Lagen des Kindes, etwa der Beckenendlage.
Eine schwangere Frau sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass bei einer Hausgeburt keine der in Kliniken üblichen Betäubungen wie beispielsweise die Periduralanästhesie möglich ist.
Es gibt keine rechtlichen Gründe, die gegen eine Hausgeburt sprechen. Eine Hebamme sollte allerdings unbedingt dabei sein und die Geburt leiten. Ein Arzt ist zwar laut Hebammengesetz nicht nötig – in Deutschland sind Hebammen als einzige dazu berechtigt, Geburten alleine zu leiten -, aber falls doch Probleme auftreten, wird die Hebamme einen Arzt hinzuziehen oder für den Transport in das Krankenhaus sorgen.
Die Entscheidung für oder gegen eine Hausgeburt liegt hauptsächlich bei der Schwangeren und der Hebamme, weniger beim betreuenden Frauenarzt. In der Regel wird die Schwangere aber bei ihrer Entscheidung beide zu Wort kommen lassen.
Die Kosten einer Hausgeburt werden von den Krankenkassen übernommen. Allerdings berechnen Hebammen noch eine Pauschale, die von den Krankenkassen nicht gezahlt wird.
Nur wenn die häusliche Situation wirklich stimmt, kann die Hausgeburt so angenehm ablaufen, wie die Schwangere es sich wünscht. Dazu gehört, dass die Wohnung wirklich für eine Geburt geeignet ist, also sauber und ruhig. Nicht zu vernachlässigen ist die Einstellung des Partners zu Hausgeburt. Ist er gegen eine Hausgeburt, ist er während der Geburt möglicherweise nicht so unterstützend wie er sein könnte.
Checkliste Hausgeburt:
- Ist die Schwangerschaft problemlos verlaufen?
- Ist eine Geburt ohne Schwierigkeiten zu erwarten?
- Befürwortet die Hebamme die Hausgeburt?
- Steht fest, dass im Notfall ein Arzt bzw. eine Klinik zu erreichen ist?
- Ist für alle Fälle ein Klinikkoffer gepackt?
- Gibt es in der Wohnung einen geeigneten Platz für die Geburt?
- Ist die Wohnung sauber genug?
- Ist die Wohnung ruhig oder laut, z.B. wegen einer stark befahrenen Straße oder einer Baustelle?
- Unterstützt der Partner die Entscheidung?


