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Nabelschnurblut & Stammzellen = Gesundheitsvorsorge?

Immer mehr Blutbanken werben um frischgebackene Eltern, die bei ihnen die Nabelschnur ihres Babys einlagern sollen. Sie locken die Eltern mit der Aussicht auf ungeahnte Heilmöglichkeiten für den Fall, dass das Kind erkranken sollte – und sie lassen sich diese Hilfe meist üppig entlohnen: 20 Jahre Aufbewahrung kosten im Durchschnitt immerhin 2000 bis 2500 Euro.

 

Möglich sein soll diese jahrelange "Versicherung" gegen schlimme Erkrankungen durch das Einlagern der Nabelschnur bzw. des Nabelschnurblutes des Neugeborenen. Dieses Blut enthält viele so genannte pluripotente oder Stammzellen, das sind Zellen, die sich zu vielen anderen Zellarten weiterentwickeln können.

Das Verfahren der Stammzelltransplantation ist schon länger bekannt und wird etwa als Knochenmarkstransplantation bei Leukämie oft praktiziert. Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut können sich aber nicht nur zu Blutzellen weiterentwickeln (differenzieren), sondern auch zu Nerven-, Muskel-, Knochen-, Knorpel-, Leber- und andern Zellen. Problematisch ist allerdings noch, wie genau sich diese Zellen differenzieren und wie man sie gezielt dazu bringen kann.

Diese Zellen sind im Blut der Nabelschnur noch zahlreich vorhanden, nach der Geburt sinkt der Anteil dieser Zellen im Blut drastisch. Die für die Blutbildung zuständigen Zellen beispielsweise sammeln sich im Knochenmark und erledigen von dort aus ihre Arbeit.

Die Entnahme des Blutes aus der Nabelschnur ist einfach und unschädlich, zumindest für die Mutter. Manche Ärzte und Hebammen kritisieren, dass das Neugeborene zu schnell abgenabelt wird, wenn Nabelschnurblut entnommen werden soll. Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass es besser für ein Kind ist, möglichst lange an der Nabelschnur zu hängen. Spät abgenabelte Kinder haben noch bis zu drei Monate nach der Geburt einen höheren Eisenanteil im Blut. Schwache oder gefährdete Kinder profitieren wahrscheinlich von einem späten Abnabeln mehr als von auf Verdacht eingefrorenen Stammzellen.

 

Aus der Nabelschnur können normalerweise 50 bis 100 ml Blut entnommen werden, die dann per Kurier in ein Labor gebracht werden. Dort wird untersucht, ob das Blut ausreichend Stammzellen enthält und frei von Krankheitserregern ist. Besteht das Blut die Tests, wird es bei knapp -200°C in flüssigem Stickstoff eingefroren. So hält es sich 15 bis 20 Jahre; theoretisch sind die Stammzellen sogar Jahrhunderte lang haltbar.

Heute können verschiedene Krankheiten mit Stammzellen aus Nabelschnurblut therapiert werden, allerdings nicht mit dem eigenen. Gerade viele Blutkrankheiten sind erblich, weshalb sie nicht mit dem eigenen Blut behandelt werden können, das ja den gleichen Erbdefekt aufweist.

Aufbewahrt werden kann das Nabelschnurblut als Vorsorge für den eigenen Bedarf bei kommerziellen Einrichtungen. Wer das wertvolle Blut nicht verschwenden will, aber nicht von der Notwendigkeit der Eigenvorsorge überzeugt ist, kann das Blut auch kostenlos an ein Stammzellregister oder für die Stammzellforschung spenden.

Bei Stammzellregistern steht das Blut weltweit für Transplantationen zur Verfügung. Bei diesen Registern können die Stammzellen auch als gerichtete Spende kostenfrei aufbewahrt werden, also für die Behandlung kranker Familienmitglieder.

 
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