Als Wochenfluss (medizinisch auch Lochien genannt) bezeichnet man die Flüssigkeit, die die Frau nach der Entbindung aus der Scheide absondert. Diese Flüssigkeit setzt sich aus Blut, Plazentaresten, Wundsekret, Scheidensekret und weißen Blutkörperchen zusammen, ist also nicht mit dem Menstruationsblut identisch. Manchmal werden im Zug des Wochenflusses auch noch Reste der Eihäute ausgeschieden. Quelle des Wochenflusses ist die etwa handtellergroße Wunde, die die abgelöste Plazenta in der Gebärmutter hinterlassen hat.
Der Wochenfluss ist direkt nach der Geburt sehr stark und blutig, nimmt aber im Lauf der Zeit an Heftigkeit ab und verändert seine Farbe über rosa und bräunlich zu einer hellen Bernsteinfarbe. Je mehr sich die Gebärmutter zurückbildet und regeneriert, desto kleiner wird die Wunde und der Wochenfluss nimmt ab. Vor allem das beim Stillen ausgeschüttete Hormon Oxytocin fördert die Rückbildung der Gebärmutter. Sie war gegen Ende der Schwangerschaft auf bis zu 1000 g angewachsen, und kehrt nun wieder zu ihrem "Normalgewicht" von rund 70 g zurück.
Früher waren sogar noch viele Mediziner der irrigen Annahme, dass der Wochenfluss eine infektiöse Flüssigkeit sei. Tatsächlich sind die Lochien aber genauso harmlos wie eine normale Regelblutung.
Es kann aber tatsächlich zu einer Entzündung kommen, da die Ursache der Blutungen ja eine frische Wunde ist, die sich wie jede andere Wunde auch entzünden kann. Kommt es zu einem Stau des Wochenflusses, muss wie bei einer Entzündung ein Arzt eingreifen, da sich in der Gebärmutter verbliebene Reste zu einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut führen können.
Für die Frau besteht während der Lochien eine erhöhte Ansteckungsgefahr, da durch den noch leicht geöffneten Muttermund leichter Krankheitskeime eindringen können. Beim Geschlechtsverkehr sollten daher Kondome verwendet werden.
Tampons sollen während dieser Zeit nicht verwendet werden, da über sie Bakterien in die Wunde in der Gebärmutter gelangen könnten. Die meisten Frauen bekommen deshalb schon in der Klinik oder von der Hebamme direkt nach der Geburt Binden, die den Wochenfluss aufnehmen sollen. Nach den ersten zwei Wochen sollte normale Monatsbinden ausreichen, um die Flüssigkeit aufzufangen; für die erste Zeit empfehlen viele Hebammen die sehr saugfähigen Windeleinlagen.
Der Wochenfluss dauert meist zwischen zwei und sechs Wochen. Während der ersten Zeit sollte die frischgebackene Mutter sich schonen, damit die Gebärmutter nicht durch zuviel körperliche Tätigkeit belastet wird. Ein Hinweis auf Überanstrengung ist verstärkter Wochenfluss oder eine starke Rotfärbung des Ausflusses.


