Die Wehen – das rhythmische Zusammenziehen der Gebärmutter – bei der eigentlichen Geburt sind weder die einzigen Wehen im Verlauf der Schwangerschaft, noch gibt es nur eine einzige Art von Wehen.
Schon während der Schwangerschaft bereitet sich der Körper der Frau mit Übungswehen auf die Geburt vor. Dies beginnt etwa in der 25. Schwangerschaftswoche; ab etwa der 35. Schwangerschaftswoche spricht man dann von Vorwehen.
Übungswehen sind für Schwangere oft beunruhigend, aber nur bei einer Wehendauer von über 60 Sekunden und bei starken Schmerzen ist eine ärztliche Kontrolle notwendig. Meist werden sie kaum als Wehe empfunden, feststellbar ist aber eine Verhärtung des kompletten Bauches. Im Unterschied zu den "richtigen" Wehen sind die Übungswehen unterschiedlich lang, unterschiedlich stark und unregelmäßig.
Die Vorwehen sind schmerzhafter als die Übungswehen, werden aber wie alle Schmerzen individuell unterschiedlich empfunden, von einem unangenehmen Ziehen bis hin zu starken Schmerzen. Diese Wehen werden auch als Senkwehen bezeichnet, da sie das Kind in Richtung Geburtskanal sinken lassen.
Von vorzeitigen Wehen spricht man, wenn schon vor dem errechneten Geburtstermin richtige Wehen einsetzen und die Geburt beginnt, sich also eine Frühgeburt ankündigt. Vorzeitige Wehen können durch Stress oder körperliche Anstrengung ausgelöst werden.
Die eigentliche Geburt wird durch die Eröffnungswehen eingeleitet, die den Muttermund auf die notwendige Weite dehnen. Diese Wehen kehren in regelmäßigen, aber kürzer werdenden Abständen wieder und nehmen dabei an Stärke zu. Sie werden als extrem schmerzhaft empfunden.
Presswehen – auch Austreibungswehen genannt – schieben das Kind aus dem Körper der Frau nach draußen. Obwohl der Druck bei den Presswehen stärker ist als bei den Eröffnungswehen, empfinden die meisten Gebärenden die Presswehen als weniger schlimm, weil sie sie selbst unterstützen und "mitpressen" können.
Erste Nachwehen treten etwa eine halbe bis eine Stunde nach der Geburt auf und dienen dazu, die Plazenta zu lösen und aus dem Körper auszuscheiden – die Nachgeburt. Die meisten Frauen spüren diese Kontraktionen nicht, weil der Körper nach der Geburt Endorphine ausschüttet, die das Schmerzempfinden unterdrücken. Weitere Nachwehen können in den Tagen nach der Geburt auftreten. Sie tragen zur Rückbildung der Gebärmutter bei. Gelegentlich werden diese Wehen auch Stillwehen genannt, weil sie besonders bei stillenden Müttern auftreten.
Die Wahrnehmung der Schmerzen während der Geburt ist von Frau zu Frau komplett unterschiedlich. Erfahrungsberichten von Hebammen und Ärzten zufolge scheinen Frauen bei der Entbindung umso weniger Schmerzen zu empfinden, je mehr sie sich im Vorfeld damit auseinandergesetzt haben und je aktiver sie an der Geburt mitwirken konnten.
Vorzeitige Wehen sind "echte" Wehen, die schon vor dem Geburtstermin eintreten. Anders als bei den üblichen Übungswehen können sie ein Anzeichen für eine bevorstehende Geburt sein, wenn sie mit einer Öffnung des Muttermundes und einem Blasensprung einhergehen. Ohne ärztliche Behandlung droht in diesem Fall eine Fehlgeburt.
Vorzeitige Wehen treten meist dann auf, wenn die Schwangere schon eine oder mehrere Früh- oder Fehlgeburten hatte, oder wenn bestimmte Erkrankungen vorliegen, wie Diabetes oder schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck. Auch Rauchen ist ein Risikofaktor, ebenso wie das Alter der Schwangeren.


