Unter dem Wort Anamnese versteht man in der Medizin die Erfassung der Vorgeschichte eines Patienten. Dabei wird sehr viel erfragt, vorrangig natürlich Informationen die für die Krankheitssituation relevant sein können. Die Anamnese ist meist der erste Schritt zur Diagnose und somit zur Behandlung des Problems.
Die Anamnese ist umso wichtiger, je diffuser die Beschwerden sind und je mehr Möglichkeiten es gibt, die die Beschwerden auslösen können. Das bedeutet, dass gerade bei allergischen Beschwerden oft eine gründliche Anamnese notwendig ist.
Natürlich gibt es auch Fälle, in denen ein Patient während eines klassischen Heuschnupfenzeitraums über heuschnupfenähnliche Beschwerden klagt und auf einen Allergietest reagiert – mit großer Sicherheit hat er wirklich Heuschnupfen und wird entsprechend mit Antihistaminika, Nasenspray und Augentropfen behandelt werden.
In anderen Fällen, beispielsweise bei Nahrungsmittelallergien oder bei Allergien gegen einen Stoff aus dem täglichen Arbeitsumfeld, kann die Anamnese ungleich schwieriger und komplexer sein.
Bei einer gründlichen Anamnese werden immer aktuelle oder überstandene Gesundheitsprobleme abgefragt, ebenso wie eine eventuelle Medikamenteneinnahme. Daneben werden auch Informationen über die Ernährung, die berufliche Tätigkeit und beispielsweise Reisen erhoben, die die Beschwerden erklären können.
Zu körperlichen Beschwerden ist nicht nur die Vorgeschichte des jeweiligen Patienten wichtig, sondern auch die der Familie. Dies kann wichtige Hinweise zu Erbkrankheiten geben, aber auch zu Veranlagungen zu bestimmten Erkrankungen wie eben Allergien liefern.
Im Fall einer Allergie werden Arzt und Patient versuchen, einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem möglichen Allergen zu schaffen. Wenn es aussieht wie Heuschnupfen, und der Patient reagiert auf einen Allergietest mit verschiedenen Pollenarten – hat er die Beschwerden überhaupt in der Zeit, zu der jeweiligen Pflanzen blühen? Kann er überhaupt mit diesen Pflanzen bzw. deren Pollen in Kontakt gekommen sein?
Für den Fall einer Nahrungsmittelallergie kann das bedeuten, dass der Patient zwar auf Fleisch allergisch zu sein scheint, aber Vegetarier ist, so dass das Fleisch die Beschwerden wohl nicht auslöst.
Oft kann es für eine gründliche Anamnese hilfreich sein, wenn die betroffene Person ein detailliertes Tagebuch über alle Aktivitäten und die Beschwerden führt.
Eine Anamnese allein führt fast nie zum endgültigen Befund, es sind in der Regel noch verschiedene Tests nötig, um die Krankheit so genau wie möglich zu erkennen.
Wichtige Fragen bei der Anamnese:
- Wie genau äußern sich die Beschwerden?
- Wann und in welcher Situation treten die Beschwerden auf (nur zuhause, immer morgens, nur nach dem Essen, jeden Sonntag ...)?
- Wie häufig und wie stark sind die Beschwerden?
- War das betroffene Organ/die betroffene Körperregion vorher schon einmal erkrankt?
- Hatten Verwandte schon ähnliche Symptome?
- Verschwinden die Symptome plötzlich (z.B. im Urlaub)?
- Liegt aktuell eine Erkrankung vor?
- Werden Medikamente eingenommen? Falls ja, welche?
- Gibt es besondere seelische Belastungen (Verlust einer nahe stehenden Person, Scheidung, Depressionen usw.)?


