Die Kinderlähmung (Poliomyelitis; Polio) ist eine hochansteckende Virus-Erkrankung. Sie befällt die Nervenzellen des Rückenmarks und kann zu Lähmungen führen. Meist sind Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren betroffen, sehr selten auch Jugendliche und Erwachsene.
Wie andere Virenerkrankungen kann auch Polio nicht ursächlich behandelt werden. Zudem gibt es drei Typen von Polioviren, bei denen es keine Kreuzimmunität gibt, eine Infektion mit einem Virus-Typ mit anschließender Erkrankung bietet also keine Immunität gegen die anderen beiden Virus-Typen.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Polio-Impfung zum Schutz gegen die Kinderlähmung. Die vier Teilimpfungen erfolgen im zweiten, dritten, vierten, und elften bis 14. Lebensmonat. Im Alter von neun bis 17 Jahre sollte die Impfung aufgefrischt werden, ebenso vor Reisen in Epidemiegebiete. Die früher übliche Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff wurde vor einigen Jahren durch eine Injektion mit einem Totimpfstoff ersetzt.
Übertragung:
Kinderlähmung wird meist auf fäkal-oralem Weg übertragen, also wenn Spuren von Kot in den Mund gelangen. Die kann geschehen, wenn nach dem Stuhlgang mit ungewaschenen Händen Essen zubereitet wird oder wenn kotverschmutzte Gegenstände berührt werden. Eine weitere Infektionsquelle ist verschmutztes Trinkwasser. Kurz nach der Ansteckung vermehren sich die Viren auch auf der Rachenschleimhaut, darum ist für etwa eine Woche auch eine Übertragung durch Tröpfcheninfektion möglich, aber sehr selten.
Symptome:
In über 95% der Fälle verläuft die Infektion ohne Krankheitsanzeichen, so dass sie nicht bemerkt wird. Kommt es zu einer Erkrankung, stellt sich die Kinderlähmung in drei Varianten dar.
Bei der ersten Form zeigen sich nur grippeähnliche Beschwerden, das zentrale Nervensystem ist nicht betroffen. In drei Viertel aller Fälle heilt diese Polioform ohne weitere Folgen aus.
Bei der zweiten Form, die bis zu 10% der Erkrankten betrifft, leiden die Betroffenen außer an den grippeähnlichen Beschwerden auch an Hirnhautentzündung, Muskelkrämpfen, Rückenschmerzen und einem steifen Nacken.
Die dritte Form ist zusätzlich durch Lähmungserscheinungen gekennzeichnet, nicht nur in den Gliedmaßen, sondern oft auch der Atmungsorgane. Zu dieser schlimmsten Ausprägung der Polio kommt es bei etwa einem Prozent der Erkrankungen.
Komplikationen:
Die Symptome der Polio-Erkrankung heilen meist innerhalb eines Jahres aus, allerdings können auch Lähmungen und Durchblutungsstörungen als dauerhafte Schäden zurückbleiben.
Bei Infektionen der Luftwege kann es zu Atemlähmungen kommen. Tritt eine Herzmuskelentzündung auf, kann sich daraus später eine Herzschwäche entwickeln.
Wenn Lähmungen aufgetreten sind, können sie sich auch noch Jahre später wieder verschlimmern, auch wenn in der Zwischenzeit keinerlei Symptome aufgetreten sind.


